Die Grenzanlage im Schwarzen Moor
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Die Grenzanlage im Schwarzen Moor

Mit meinem heutigen Beitrag nehme ich Euch heute etwas mit in die Vergangenheit, auch in meine. Am 03. Oktober feiern wir den 30. Jahrestag der Deutschen Wiedervereinigung. Es gibt inzwischen eine ganze Generation, die ein geteiltes Deutschland nicht mehr kennen. Und trotzdem ist es ein Teil unserer Geschichte. Damit diese nicht vergessen werden, gibt es an vielen Orten die Möglichkeit zu entdecken, wie das damals war. Zum Beispiel an der Grenzanlage im Schwarzen Moor zwischen dem bayerischen Fladungen / Leubach und den thüringischen Orten Birx und Frankenheim.

Wie erreiche ich die Grenzanlage?

Die Grenzanlage ist ganz in der Nähe der Hochrhönstraße gelegen. Am besten richtet Ihr Euch bei der Ausschilderung nach dem Parkplatz Schwarzes Moor. Dort könnt Ihr auch direkt Euer Auto parken. Während Ihr links den Schwarzen-Moor-Lehrpfad zum Aussichtsturm wandern könnt, müsst Ihr Euch für den Grenzturm eher rechts halten. Das Ganze ist aber vor Ort auch gut ausgeschildert.

Über eine kurze Wanderung von zirka einem Kilometer, könnt Ihr die ehemalige Grenzanlage erreichen. Diese befindet sich übrigens noch an ihrem Original-Standort – so wie sie zu Zeiten der DDR aufgebaut war.

Wegweiser im Schwarzen Moor

Meine Geschichte

Ich bin selbst in der DDR geboren und war 12 Jahre alt, als die Grenzen 1989 geöffnet wurden. Da wir ziemlich in der Nähe der Grenze gewohnt haben, gehörte sie für uns zum Alltag. Ich wuchs auf mit Bussen, in die man nicht einsteigen durfte (ohne Passierschein). Um den Bruder meiner Oma zu besuchen brauchten wir einen solchen Schein und konnten dort die Züge „in den Westen“ beobachten. Am Ende des Dorfes, in dem mein Onkel wohnte, war die Welt zu Ende. Ich kann mich noch gut an Erzählungen meiner Großeltern erinnern von Orten, die damals so fern waren wie heute der Mond – und dabei nur wenige Kilometer entfernt. Und der Weihnachtsmann wohnte bei uns nicht am Nordpol, sondern in Frankenheim, auf das man von der Grenzanlage schauen kann. Einfach, weil es damals ebenso unerreichbar war.

Grenzzaun

Trotzdem muss ich sagen, dass ich nie ein „Problem“ mit der Grenze hatte – vielleicht auch weil ich noch zu klein war. Und dadurch, dass mein Vater durch seinen Job oft in der DDR unterwegs war und uns mitgenommen hat, hatte ich nie das Gefühl eingesperrt zu sein.

Und ich muss sagen, ich hatte nach der Wende bis heute nie Probleme damit ein Ossi zu sein. Weder, dass sich jemand lustig gemacht hätte noch das irgendwer negativ gesprochen hätte. Von dem her kann ich mich glücklich schätzen. Oder es liegt daran, dass ich mich einfach als multikulti und nicht nach bestimmten Vorurteilen eingeordnet sehe. Ich weiß von anderen, dass es ihnen da ganz anders erging. Denn leider gibt es sie immer noch – die Grenzen in den Köpfen. Wir teile immer noch in Ost und West und versuchen teilweise nicht mal, einander zu verstehen. Das finde ich wirklich schade, denn ich denke gemeinsam können wir am meisten erreichen. Egal, ob wir in den alten oder neuen Bundesländern aufgewachsen sind.

Wallreste Grenzanlage

Die Grenzanlage

Aber zurück zur Grenzanlage. Diese ist zwar nicht sehr groß, sie zeigt jedoch einmal anschaulich, wie dieser Grenzbereich früher aussah. Der hohe Grenzturm, den man leider nicht besteigen kann, lässt erahnen wie weit man hier ins Land schauen konnte. Die Zäune mit dem Stacheldraht geben einem ein mulmiges Gefühl. Und die Gräben für Pkw und Lkw zeigen deutlich, dass es kaum möglich war, diesen Grenzwall zu überwinden. Mit etwas Fantasie kann man die Grenzsoldaten auf dem Kolonnenweg Patrouille gehen sehen.

Für einen kurze Moment kann man hier in die Geschichte eintauchen und auch Jüngeren deutlich machen, „wie das damals ausgesehen hat“. Auf Tafeln wird dann auch noch einmal alles erklärt und die einzelnen Funktionen der Gräben und Zäune erläutert. Es ist alles sehr verständlich.

Grenzanalage

Fazit – Ein kleiner Ausflug in die Geschichte

Ich hoffe, dass die Anlage auch weiterhin gepflegt wird – leider sieht sie teilweise etwas vernachlässigt aus – denn sie ist ein wichtiger Teil der Geschichte, der nicht in Vergessenheit geraten sollte.

Den Ausflug zur Grenzanlage könnt Ihr übrigens wunderbar mit einer Wanderung im Schwarzen Moor oder einem Besuch im Freilandmuseum in Fladungen verbinden.

Uns da es so gut passt, möchte ich mit diesem Beitrag an der Blog-Parade von Teilzeitreisender zum Thema „Grenzen“ teilnehmen. Wenn Ihr also noch mehr an diesem Thema interessiert seid, dann schon doch dort mal vorbei.

Weg an der Grenzanlage

 

Tür des Grenzturm

Grenzturm

Die Grenzanlage im Schwarzen Moor

2 Comments

  • Lena

    Oh, mir war gar nicht bewusst, dass wir bei unserer Wanderung durchs Schwarze Moor neulich wirklich so nah an der ehemaligen Grenze waren. Den Tipp und deinen Blogbeitrag merke ich mir gleich mal vor zum Verlinken.

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