Grabhügel in Jelling
Reisen

Jelling – Wikinger und Weltkulturerbe

Wie sehr ich Dänemark liebe habe ich Euch ja schon geschrieben und dass ich auf Geschichte stehe, sollte dem aufmerksamen Leser inzwischen auch bekannt sein. Und beides kombiniert führt uns heute zu einem ganz besonderen Ort. Jelling – ein alter Wikinger-Ort und mittlerweile als Weltkulturerbe anerkannt. Hier könnt Ihr ganz tief in die Geschichte eintauchen.

Der kleine Ort in der Nähe von Velje ist nicht leicht zu finden, doch hier liegen die Wurzeln von Dänemark. Denn das königliche Jelling gehört zu den bedeutensten archäologischen Fundplätzen Dänemarks. Der Ort hat eine lange Geschichte. Davon berichten die beiden größten Grabhügel des Landes, eine Steinkirche aus der Zeit um 1100 nach Christus, sowie zwei sehr gut erhaltene Runensteine. Besondere Bedeutung wurde Jelling durch verschiedene nordische Könige zu Teil, die den Ort als ihren Amtssitz nutzten. Vor allem König Gorm der Ältere, Harald Blauzahn (der Sohn Gorms) sowie Sven Gabelbart (der Sohn Harald Blauzahns) wirkten hier. Sben Gabelbart war es dann auch, der den Regierungssitz von Jelling nach Roskilde verlegt. Hierdurch verlor die kleine Ortschaft schnell an Bedeutung, bevor sie in der Neuzeit von Archäologen wieder endteckt wurde.

Und etwas sehr „neumodisches“ lässt sich hier auch entdecken, denn die Runenschrift-Initialen von König Harald Blauzahn bilden das heute weltweit bekannt Symbol für die Bluetooth Technik.

Wer sich also für Geschichte interessiert, ist hier sehr gut aufgehoben und das Erlebniszentrum macht einen Besuch des Ortes auch mit Kindern möglich, das es dort sehr viel zu entdecken und auszuprobieren gibt. So kommen alle auf ihre Kosten.

Schutzwall in Jelling
Die beiden Grabhügel von Jelling

Bereits von weitem sichtbar sind die beiden Grabhügel die in Jelling zu finden sind – die größten Dänemarks. Diese sind aus Grassoden gebaut und stammen vermutlich aus dem 8. oder 9. Jahrhundert nach Christus. Bei Grabungen um das Jahr 1820 herum, wurden im nördlichen Hügel Reste einer Grabkammer aus Eichenholz, die möglicherweise für zwei Personen eingerichtet wurde, entdeckt. Allerdings war diese, abgesehen von einem Silberbecher sowie diversen Fragmenten, leer. Untersuchungen deuteten darauf hin, dass bereits zu einem früheren Zeitpunkt in die Kammer eingedrungen und Leichnamen sowie Grabbeigaben entfernt wurden.

Im südlichen Hügel, welcher in den Jahren 1861 und 1941 untersucht wurde, konnten keinerlei Anzeichen einer Beisetzung gefunden werden. Er wurde vermutlich nie genutzt. Unter dem Hügel wurden allerdings zwei Reihen von großen, aufgerichteten Steinen entdeckt. Diese sind vermutlich die Reste eines großzügigen Steinsatzes, der vor dem Bau des Hügels hier stand und Teil der heute nachgestellten ursprünglichen Schiffssetzung ist.

Beide Hügel könnt Ihr übrigens besteigen und einen 360° Rundumblick genießen. Auch wenn ich selbst es etwas seltsam fand, auf einem Grab herum zu klettern

Hügelgrab in Jelling

Die Schiffssetzung von Jelling.

Vom Nordhügel aus betrachtet, könnt Ihr sie heute genau nachvollziehen -die Schiffssetzung, die ursprünglich an dieser Stelle stand. Der Nordhügel bildet dabei genau die Mitte des Schiffs. Besonders den Bug kann man anhand der 2013 neu aufgestellten Steine genau erkennen. Vorher hatte es verschiedene Grabung über fast 2 Jahrhunderte gegeben und diverse Diskussionen gegeben, ob es sich hier wirklich um eine Schiffssetzung handelt. Diverse Funde an alten Steinen untermauerten diese Vermutung aber immer weiter. Heute ist die Schiffssetzung anerkannt und wie bereits erwähnt durch neue gut sichtbare neue Steine ersetzt.

Schiffssetzung in Jelling

Die Grabeskirche

Zwischen den beiden Grabhügeln befindet sich die alte Grabeskirche, die auf die Zeit um 110 nach Christus datiert wird. Doch Sie ist nicht die erste Kirche an diesem Ort. Zuvor standen hier bereits drei andere Kirchen aus Holz, die jeweils leider den Flammen zum Opfer fielen. Grabungen ergaben, dass die ursprüngliche Kirche wohl im 10. Jahrhundert als Mausoleum von Harald Blauzahn für seinen Vater König Gorm der Ältere errichtet wurde. Grund dafür war das Auffinden von Gebeinen unter der Kirche, die man König Gorm zuordnen. Diese befinden sich auch heute wieder unter dem Kirchenboden – ein silbernes im Fußboden eingelassenes Band zeigt den Weg.

Die Kirche in Jelling

Und Kunstliebhaber aufgepasst: Im Chor der Grabeskirche findet Ihr die ältesten Fresken Dänemark, deutlich inspiriert von byzantinischer Kunst. Ich fand sie einfach wunderschön.

Altar der Kirche in Jelling

Die beiden Runensteine

Das wichtigste in Jelling sind aber wohl die beiden Jelling-Steine. Hier könnt Ihr Euch am Lesen von Runen versuchen. Mit ein bisschen Übung kann man sogar einige Wörter erkennen.

Der kleinere der beidenwurde wahrscheinlich um 935 herum von Gorm dem Älteren zu Ehren seiner Frau Thyra errichtet. Seine Inschrift lautet: „König Gorm errichtete dieses Denkmal für Thyra, seine Frau, die Zierde Dänemarks.“ Gorm der Ältere gilt als Begründer der Jellingdynastie und verteidigte Dänemark gegen die Schweden. Seiner Frau Thyra wird die Errichtung des Danewerks zugeschrieben. Zudem handelt es sich bei Gorm um die erste namentliche Nennung eines dänischen Königs, und zum ersten Mal wird der Landesname Dänemark verwendet. Der Kleine Jelling-Stein gilt daher auch als „Geburtsstein“ der dänischen Nation.

Der größere der beiden Steine wurde vermutlich zwischen 960 und 985 von Harald Blauzahn errichtet. Er ist auf allen drei Seiten mit Runen und Symbolen versehen und enthält folgenden Text: „König Harald gebot, dass dieses Denkmal seinem Vater Gorm und seiner Mutter Tyra gemacht wurde, der Harald, der sich ganz Dänemark und Norwegen unterwarf und die Dänen zu Christen machte.“ Da unter König Harald die Konvertierung der dänischen Bevölkerung von den Wikingern zum Christentum erfolgt, wird dieser Stein auch als „Taufstein“ Dänemarks bezeichnet.

Runenstein in Jelling

Das Besucherzentrum Kongernes Jelling

Wie bereits weiter oben geschrieben empfehle ich Euch auf jeden Fall einen Besuch im Kongernes Jelling. Hier erfahrt Ihr auf zwei Etagen vieles über das Leben von König Gorm und Harald Blauzahn sowie das Leben der Wikinger allgemein. Dabei handelt es sich nicht um eine stupite Ausstellung, sondern um ein Erlebnisparadies. So kann man zum Beispiel in Walhalla einziehen, seinen Namen in Runen schreiben und viele mehr. Gerade auch mit Kindern kann man hier richtig viel erleben.

Von der Dachterrasse aus habt Ihr einen herrlichen Blick auf die Grabhügel und man kann sich richtig vorstellen, wie die Gegend zur Zeit der Wikinger aussah. Ganz besonders witzig fand ich außerdem ein Foto in der Ausstellung, in der sich alle heute lebenden (und auffindbaren) Nachkommen von Gorm dem Älteren und Harald Blauzahn versammelt hatten.

Und das Beste am Besucherzentrum? Es ist kostenlos – also auch sehr zu empfehlen, wenn man etwas auf die Reisekasse achten muss.

Kongernes Jelling

Und damit endete dann auch unser kleiner Ausflug in die Geschichte Dänemarks. Wenn Ihr noch mehr Reisetipps für Skandinavien entdecken wollt, dann schaut doch mal auf The road most traveled vorbei. In der Blogparade „Faszination Skandinavien“ haben verschiedene Reiseblogger Ihre liebsten Orte in Skandinavien zusammengetragen.

Jelling - Wikinger und Weltkulturerbe

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