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Okunoin - Der Friedhof der wartenden Geister

Okunoin – Der Friedhof der wartenden Geister

by Kathleen

Okunoin gilt in Koyasan als heiligster Ort.  Der schöne Waldfriedhof mit den Laternen gesäumten Wegen und der Ruhestätte des verehrten Mönch Kukai (Kōbō Daishi) ist nicht nur bei Japanern beliebt. Ihr solltet dem Friedhof der wartenden Geister also auf jeden Fall einen Besuch abstatten.

Am Ende eines zwei Kilometer langen Weges erreicht man – versteckt hinter der Laternenhalle –  das Mausoleum des Mönchs, in dem dieser im Zustand der ewigen Meditation auf die Erscheinung des kommenden Buddha wartet. Ein Grund, weshalb so viele danach streben, für diesen Tag in der Nähe des großen Geistes bestattet zu sein.  Denn nach dem Shingon-Glauben gibt es keine Toten, nur wartende Geister. 

Okunoin Inhaltsverzeichnis

Was gibt es hier zu entdecken?

Ein bisschen Geschichte

Seinen besonderen Charme und seine Kraft verdankt Okunoin dem Mönch namens Kukai (Meer der Leere), der heute unter dem Namen Kōbō Daishi jedem Japaner ein Begriff ist.

Vor 1200 Jahren errichtete dieser auf dem schwer zugänglichen Berg Koya ein Eremitenkloster, woraus im Laufe der Jahrhunderte die  höchst verehrte Stätte des japanischen Shingon-Buddhismus heranwuchs. Dieser ist mit seinen 12 Millionen Anhängern heute eine der bedeutendsten Religionsgruppen Japans.

Am 15. Juni 774 aristokratisch geboren und mit einer höfischen Ausbildung ausgestattet, beschloss der junge Kukai statt Hofbeamter lieber Mönch zu werden. So zog er als Eremit und wandernder Asket durch die Berge, studierte den Buddhismus und reist auch nach China. So erklärt sich auch der chinesische Einfluss, den man auch heute noch sehen kann. Er brachte Kultur und Wissen mit nach Japan. 

Kukai legte nicht nur im Jahre 816 den Grundstein für Koyasan, sondern gründete auch 828 in der neuen Hauptstadt Heian-kyō (heute Kyōto) für die Angehörigen der unteren Gesellschaftsschichten eine private Lehranstalt zur umfassenden Bildung in Wissenschaft und Kunst. Leider wurde diese bereits zehn Jahre nach seinem Tod wieder geschlossen. Trotzdem hatte er einen großen Einfluss auf die Bildung in Japan. 

So ist es kein Wunder, dass Kukai nach seinem Tod den Ehren­titel Kōbō Daishi (Meister der Lehrver­brei­tung) erhielt. Bis heute wird er in ganz Japan verehrt und seine Ruhestätte ist ein echter Pilgerort. Denn bis heute sind viele seiner Anhänger der festen Überzeugung, dass Kōbō Daishi nicht tot ist. Stattdessen befindet er sich in ewiger Meditation zwischen Leben und Tod. Dies ist auch der Grund, warum Mönche ihm bis heute zwei  Mal am Tag sein Essen ans Grab im  Okunoin Friedhof bringen.

Okunoin in Koyasan
Okunoin in Koyasan

Der Friedhof Okunoin

Traditionell markiert die Brücke Ichinohashi (erste Brücke) den Eingang zum Okunoin. Besucher sollten sich hier verbeugen, um dem Mönch Kōbō Daishi Respekt zu zollen. Wer den Bus aus Koyasan nutzt, erreicht den Friedhof über die Bushaltestelle „Okunoin-mae“.

Wie schon oben geschrieben, besteht der Glaube, dass Kōbō Daishi im Zustand der ewigen Meditation auf die Erscheinung des kommenden Buddha wartet. Um für diesen Tag in der Nähe des großen Geistes zu sein, hat sich rund um dessen Mausoleum der riesige Friedhof Okunoin entwickelt.

Man könnte hundertmal über diesen Friedhof gehen und immer noch etwas Neues entdecken. Hier findet man nicht nur die sterblichen Überreste von japanischen Kaisern, Shogunen und Samurai, sondern auch Firmengräber von Unternehmen wie Toyota, Nissan, Panasonic und Kirin Bier. Auch bei unserem Besuch war ein Firmenbesitzer auf dem Friedhof unterwegs, der die perfekte Grabstätte für seine Mitarbeiter suchte.

Daneben gibt es auch einige Kuriositäten, wie das Grabmal für Insekten. Dieses wurde interessanterweise  von einem Pestizid-Hersteller gestiftet – als Tribut für all die getöteten Insekten. Auch das „Cenotaph of Shin Maywa“ – ein Denkmal des japanischen Flugzeugherstellers ShinMaywa Industries sticht heraus. Die Rakete ist schon von weitem zu sehen.

Ihr solltet Euch unbedingt Zeit nehmen, um die rund 200.000 Gräber und unzähligen Gedenksteine zu entdecken. Bei den wichtigsten Gräbern gibt es Erklärungstafeln – allerdings leider nur auf japanisch. Aber mit Hilfe der Google Lens haben wir diese auch übersetzt bekommen.

Bei einem Spaziergang durch die hunderte Jahre alten Zedern-Wäldern kann man einfach die Seele baumeln lassen, die Grabstätten bestaunen und die Kraft dieses Ortes spüren.

Auf Okunoin befinden sich auch viele Steinlaternen. Diese stellen zum einen sitzende Mönche im Lotussitz dar. Die quadratischen Steine bilden dabei die übereinandergeschlagenen Beine nach.  Die großen runden Kugeln stellen den Bauch, die „Dächer“ die Schultern und die Kugeln ganz oben die Köpfe dar. Zum anderen stehen die fünf verschiedenen Formen zu den fünf Elementen.

Jizō und die Wasserkinder

Neben den vielen Grabstätten fallen einem immer wieder die Jizō Bosatsu Mönchsstatuen mit ihren roten Kinderlätzchen auf. Der Jizō-Totenkult soll Müttern und Vätern über ihren Schmerz über abgetriebene oder früh verstorbene Kinder hinweg helfen. Dabei hilft das Wissen, dass Jizō die sogenannten ‚Wasserkinder‘ sicher über den Fluss der Unterwelt ins Paradies begleitet. Durch das rote  Lätzchen erkennt Jizō deren Geruch. 

In Japan geht man mit Abtreibungen sehr liberal um. Zudem ist die Verhütung in Japan Männersache und so nehmen nur wenige Japanerinnen die Pille und eine Abtreibung in Kauf. Hiervon profitieren auch die Tempel, in denen verzweifelte Frauen sich den Seelenfrieden mit Zeremonien und der Stiftung einer Jizō-Figur zurück erkaufen. 

Auf jeden Fall ist es beeindruckend und angesichts des Hintergrunds bedrückend, wie viele der Jizō-Figuren hier zu finden sind.

Okunoin Jizo
Okunoin Jizo
Okunoin Jizo
Okunoin Jizo

Sehenswertes auf dem Friedhof Okunoin

Neben den wunderschönen und mystischen Grabstätten und den beeindruckenden Buddha- und Wasserkinder-Figuren gibt es natürlich noch mehr sehenswertes auf Okunoin zu entdecken

Die Gokusho-Opferhalle

Auf dem Weg zum größten Heiligtum der Friedhofs -egal ob über die Ichinohashi Brücke oder von der Bushaltestelle aus – erreicht Ihr als erste die Gokusho-Opferhalle. Vor dem Gebäude befinden sich verschiedene Buddha-Statuen. Besucher können mit einer Kelle Wasser über die Mizumuke gießen und so für verstorbene Vorfahren beten und um Glück bitten. 

Hier an der Halle kann man zudem Talismane und ein Goshuin bzw. einen Eintrag in selbigen kaufen. Zudem befindet sich hier eine Teehalle, in der man unter der Woche einen heißen Tee genießen kann.

Die Gokusho-Opferhalle

  • Öffnungszeiten: 8:30 bis 17:00 Uhr
  • Eintritt: Frei
Okunoin - Gokusho-Opferhalle

Die Gobyobashi-Brücke

Die Gobyobashi-Brücke überquert einen Bach hinter dem Mizumuke Jizo, der das innerste Gelände des Tempels vom Rest des Friedhofs Okunoin trennt. Besucher sollten sich vor der Überquerung der Brücke erneut vor Kobo Daishi verbeugen. 

Wichtig: Fotografieren, Essen und Trinken sind über diesen Punkt hinaus verboten. Daher gibt es hier leider keine Fotos zu sehen.

Der Miroku-Stein

Nur wenige Meter hinter der Gobyobashi-Brücke findet Ihr auf der linken Seite des Weges den Miroku-Stein , der sich in einem kleinen Käfig befindet. Besucher werden aufgefordert, den Stein mit nur einer Hand von der unteren Plattform des Käfigs auf eine obere Plattform zu heben. Der Legende nach fühlt sich der Stein für gute Menschen leichter und für schlechte Menschen schwerer an. Zudem soll er eine Verbindung zum Miroku Bodhisattva herstellen können. 

Torodo und die Laternenhalle

Torodo ist Okunoins Haupthalle für den Gottesdienst und wurde vor dem Mausoleum von Kobo Daishi errichtet.  Erbaut wurde das Gebäude von Shinzen Daitoku, dem Nachfolger von Koyasan in zweiter Generation. Etwa 1023 erhielt das Torodo seine heutige Größe.

Das Gebäude beherbergt heute über 10.000 gestifteten Laternen, die dem Kobo Daishi Licht spenden sollen.  Darunter auch die die  Kishinto – eine von Kishin gestiftete Laterne. Sie alle leuchten auf Ewigkeit und drei von ihnen seien wirklich niemals erloschen: , die Shirakawato, die von Kaiser Shirakawa gestiftet wurde, die Showato,  die vom Kaiser und der königlichen Familie in der Showa-Zeit geweiht wurde und die Hinnyo-no-Itto, die eine arme Frau im Jahre 1016 auf Kishins Rat hin dem Tempel widmete, ihr kostbares schwarzes Haar abschnitt und es verkaufte, um den Preis zu bezahlen. 

Im Untergeschoss der Halle befinden sich 50.000 kleine Statuen, die Okunoin anlässlich des 1150. Jahrestages des Eintritts von Kobo Daishi in die ewige Meditation im Jahr 1984 gespendet wurden.

Im Torodo gibt es täglich sechs Gottesdienste mit Sutra-Gesängen, die man besuchen kann.  In diesen kann gegen eine Gebühr auch ein spezielles Gebet angefragt werden. Gegen eine Gedenkgebühr können auch diese speziell im Gottesdienst erwähnt werden.

Torodo – Die Laternenhalle

  • Besuchszeiten: 6:00 bis 17:30 Uhr
  • Öffnungszeiten für Gottesdienst und Gebet: 8:30 bis 15:00 Uhr. Keine Reservierung erforderlich.
  • Eintritt: Frei
  • Gottesdienste: 9:00 Uhr | 10:20 Uhr | 11:30 Uhr | 12:40 Uhr | 13:40 Uhr | 14:40 Uhr
  • Gebets- und Gedenkgebühren: PDF herunterladen

Mausoleum von Kobo Daishi

Das Mausoleum ist eine der heiligsten Stätten für Anhänger von Kobo Daishi in ganz Japan. Hier trat er in tiefe Meditation ein, um uns für die Ewigkeit zu retten, und er bleibt an diesem Ort und betet immer für unsere Errettung. Besucher kommen von überall her, um zu Kobo Daishi zu beten. Mit etwas Glück kann man hier Pilger Sutras singen sehen. Wir hatten auch dieses Glück. Ein Gänsehaut-Feeling.

Friedhof Okunoin

Die Shotokuden-Teehalle

Die Shotokuden-Teehalle  wurde 1915 zum Gedenken an den 1.100. Jahrestag der Gründung von Koyasan erbaut. Sie ist eines der wenigen Gebäude aus der Taisho-Ära. Die Halle, die von einem Tempel in Wakayama City stammt, ist das Ergebnis vieler großzügiger Spenden und wunderschön anzuschauen.

Alle Infos zum Besuch von Koaysans Friedhof Okunoin

  • Der Friedhof ist ein beliebtes Ziel und oft sehr voll Vor allem am Wochenende ist es ratsam früher aufzubrechen. Nach dem Frühstück im Tempel strömen viele Besucher erst einmal Richtung Okunoin 
  • Jeden Morgen um 6 Uhr und 10:30 Uhr bringen Mönche die Speisen zum Mausoleum von Kobo Daishi. Dieses befindet sich am Ende des Friedhofs hinter der Laternenhalle.
  • Der Friedhof ist Tag und Nacht zugänglich.
  • Für den Besuch solltet Ihr mindestens 90 Minuten Zeit einplanen
  • Wenn Ihr die Gelegenheit habt, dann solltet Ihr Okunoin im Dunklen einen Besuch abstatten. Am besten habt Ihr eine Taschenlampe oder das Handy-Licht dabei, denn auf dem schwach beleuchteten Laternenweg  ist die Sicht oft beschränkt. Zudem gibt es Stufen und Stolperstein. Die Gräber sind in der Dunkelheit schwer zu erkennen, aber die Atmosphäre ist einfach einmalig. 
  • Nach dem Abendessen werden häufig Führungen durch den Friedhof angeboten.
  • Bei einem Abendspaziergang solltet Ihr vorher mit dem Tempel, in dem Ihr übernachtet, klären, wie lange deren Tore geöffnet sind. Oft werden diese bereits um 21:00 Uhr geschlossen.
  • In der Besucherinformation könnt Ihr Audio-Guides ausleihen, die man ggf. bis zum nächsten Morgen behalten kann. 
Unterwegs auf dem Friedhof Okunoin in Koyasan
Unterwegs auf dem Friedhof Okunoin in Koyasan
Unterwegs auf dem Friedhof Okunoin in Koyasan
Unterwegs auf dem Friedhof Okunoin in Koyasan
Unterwegs auf dem Friedhof Okunoin in Koyasan
Unterwegs auf dem Friedhof Okunoin in Koyasan
Unterwegs auf dem Friedhof Okunoin in Koyasan

Zum Weiterlesen

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