Verantwortungsvolles Bloggen geht das
Reisegedanken

Verantwortungsvolles Bloggen – geht das?

Verantwortungsvolles Bloggen – dieses Thema ist gerade in aller Munde. Hauptauslöser war eine Instagram-Influenzerin mit ihrem Post. Ein für mich gestellt wirkendes, zu sehr bearbeitetes Bild, dem ich sicher nicht eine Sekunde Aufmerksamkeit geschenkt hätte. Aber tausend andere schon. Und da dieses Foto in einem Naturschutzgebiet geschossen wurde, an einem Ort, der nur über gesperrte Pfade zu erreichen ist, auf dem es schon mehrer tödliche Unfälle gab, hat das natürlich zu vielen Diskussionen geführt.

Ich werde diesen Beitrag hier bewusst nicht noch einmal teilen, denn was mich am meisten geärgert hat war, dass diese Person auch noch so viel Aufmerksamkeit bekommen hat. Für solche Leute und die Firmen, die sie beauftragen, entscheidet die Reichweite, und die hat ihr Beitrag auf jeden Fall bekommen. Wahrscheinlich profitiert sie auch noch davon, denn leider zählt Reichweite und nicht Qualität immer noch am Meisten bei der Vergabe von Werbeaufträgen. Und da der Beitrag trotz mehrerer Anmahnungen immer noch nicht gelöscht wurde, scheint auch es auch keinerlei Reue zu geben.

Ich habe bereits seit einer Weile überlegt, ob ich auch etwas zu diesem Thema schreiben soll. Immerhin bin ich erst seit kurzem unter die Reiseblogger gegangen. Und dann kam die liebe Andrea von Indigo-Blau mit ihrer Blog-Parade zu diesem Thema. Inzwischen habe ich mich durch viele wundervolle Beiträge meiner Bloggerkollegen zu diesem Thema gelesen, die mich immer wieder zum Nachdenken angeregt haben. Denn so langsam wächst auch dieser Blog und ich erreiche immer mehr Menschen. Also gebe ich heute auch noch meinen Senf dazu.

Doch was heißt verantwortungsvolles Bloggen überhaupt?

Als erstes fragte ich mich, was heißt verantwortungsvolles Bloggen überhaupt? Und was bedeutet es für mich persönlich? Dabei haben mir die vielen tollen Beiträge der Blogparade wirklich geholfen haben. Aber auch Fragen aufgeworfen haben. Ist es okay, über einen Ort zu posten, über den ich gerade posten möchte? Oder behalte ich diesen doch lieber für mich.

Ich muss dazu sagen, ich habe noch nie das gemacht, was „alle anderen“ machen. Wenn etwas total in war, dann war ich meist erstmal prophylaktisch dagegen. Ich war nie jemand, der mit den Massen mitgegangen ist. Denn ich habe ein zusätzliches kleines Manko – ich halte große enge Menschenmengen nicht aus. Touristisch überlaufene Reiseziele sind daher überhaupt nicht mein Fall. Meine Beiträge werden daher immer wieder von eher noch unbekannten Orten sein. Das macht einiges schwierig 

Und was soll man teilen?

Denn ich möchte trotzdem – oder gerade wegen meiner Phobie – über die von mir entdeckten Orte berichten. Vielleicht auch für Leute, denen es ähnlich geht wie mir. Und ich will Euch von meinen Wanderungen erzählen, in Gebieten, in denen man nicht alle zwei Meter anderen Wanderern begegnet. Aber ist das dann noch verantwortungsvolles Bloggen? Ich persönlich finde es im Moment ganz schön schwierig und eine riesige Aufgabe. Sollte ich berichten? Oder lieber doch nicht und dem Ort seine Ruhe und seine Unzerstörtheit lassen? Es scheint wie ein Drahtseilakt. Vor allem, weil wir als Reiseblogger ja gerade ausgezogen sind, um über tolle Ort zu berichten. Das ist, was wir tun. Und ich glaube niemandem, der etwas anderes behauptet. Das ist unser Antrieb, schöne Orte zu teilen und andere zum Reisen zu animieren.

Was man aber immer berücksichtigen sollte ist, nichts zu posten, was den Leser oder die Natur in Gefahr bringt. Keine gefährlichen und unerforschten Strecken die andere dazu auffordern irgendwo im freien Gelände herum zu klettern. Keine Wanderungen, bei der auf unausgeschilderten Wegen die Natur zerstört wird. Und keine Fotos, die dazu auffordern, Ort nahezu zu überrenne, nur weil sie sich auf einem Social Media Profil schön machen.

Indigo-Blau hat hierzu ein gutes Beispiel gebracht. Sie wandert gerne im Watt, aber dies dem breiten Publikum vorzustellen würde wahrscheinlich nicht nur dazu führen, dass diese einmalige Natur zerstört wird, sondern der Leser selbst könnte auch in Gefahr geraten, denn das Watt ist nicht zu unterschätzen. Hier ist also großes Fingerspitzengefühl gefragt. Und daher sollte man manche entdeckte Orte doch lieber für sich selbst behalten. Und gefährliche Wege sollten für einen selbst auch tabu sein.

Und ich glaube allein das ist schon ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Schöne-Fake-Welt

Apropos Social Media. Es treibt mir so oft die Gänsehaut auf den Rücken, wenn ich Fotos sehe, die so künstlich aufgemotzt wurden, dass man mit bloßen Auge erkennt, dass dies nicht der Wirklichkeit entsprechen kann. Und noch mehr erschreckt es mich da zu sehen, wie viele Leute solchen Accounts folgen. Ist es wirklich das, was die Leute sehen wollen? Alles bearbeiten, alles Fake? Ist unsere Welt nicht schön und bunt genug?

Okay, auch ich kann mich nicht davon freisprechen, dass ich meine Fotos etwas nach bearbeite, die Beleuchtung anpassen und ab und zu auch mal die Farbsättigung. Aber ich bin immer bemüht, dass das Bild seine Natürlichkeit behält. Auch wenn das heißt, dass es ab und zu nur semioptimale Fotos sind, wie bei meinen Berichten aus Göteborg und Oslo zum Beispiel. That’s life. Es gibt nun mal nicht immer Sonnenschein und manchmal tut eben die Kamera nicht das, was man will. Aber genau das finde ich, macht die Authenzität eines Blogs aus. Denn auch das gehört zum Leben und für mich gehört auch das zum Thema verantwortungsvolles Bloggen.

Verantwortungsvolles Bloggen
Die Ruhe genießen …

Influenzer vs. Blogger

Seit Jahren herrscht ein erbitterter Kampf zwischen Influenzern auf Social Media und Bloggern. Während die Influenzer sich mit den Bloggern gleichstellen wollen, halten Blogger die Influenzer für keine Blogger. Ich finde, es gibt auf jeden Fall massive Unterschiede.

Die meisten Blogs, die ich bisher gelesen habe, geben sich Mühe, machen sich Gedanken, recherchieren gut und versuchen dem Leser zu helfen. Aber sie stellen auch den jeweiligen Ort möglichst real und authentisch dar. Wir haben den Text und mehrere Fotos zur Verfügung und können auch mal über Dinge schreiben, die vielleicht nicht so gut gelaufen sind. Und es geht weniger um Konkurrenzkampf, sondern mehr um Hilfe für die Leser. Und ich denke, dass sich die meisten auch Gedanken darüber machen, ob es sinnvoll ist, über einen bestimmten Ort zu posten. Denn wir sind uns (meistens) bewusst, wie wir andere beeinflussen.

Dahingegen scheint bei den Influenzern der Konkurrenzkampf extrem groß zu sein. Jeder will besser sein als der Andere. Auf wessen Kosten, das ist erstmal egal. Hauptsache man hat ein Foto, dass niemand anderes hat. Dafür riskieren manchen ihr eigenes Leben und auch das Leben seiner Follower. Ich finde sowas einfach nur furchbar. Mehr kann ich im Moment dazu einfach nicht sagen. Nur so viel – ich meide solche Accounts wie die Pest. Was soll ich mir auch Bilder von immer perfekten Püppchen anschauen. Sowas entspricht nicht dem normalen Leben. Da sind mir tolle Natur- und Reisefotos tausend mal lieber.

Overtourismus – selber schuld?

Ein weiteres Thema in diesem Zusammenhang ist der Overtourismus. Orte, die von Touristen gerade überschwemmt werden. Natürlich haben wir als Blogger eine große Verantwortung. Wir lecken mir unseren Beiträgen unsere Leser. Und natürlich gibt es eine Menge Orte, die sich einfach nicht dagegen wehren können – genau diese gilt es zu schützen.  Aber an mancher Stelle stellt sich mir die Frage: „Sind die Orte nicht ein bisschen selbst Schuld“?

Ein gutes Beispiel hierzu habe ich im Beitrag von Bruder auf Achse gefunden. Es ging dort um das Gasthaus Äscher, dass nach einem Beitrag im National Geographics von Touristen überrannt wurden. Auf den ersten Blick ein klarer Fall davon, wie Online-Medien die Touristenströme leiten. Aber dann musste ich lesen „früher musste man die 850 Höhenmeter zu Fuß bewältigen, heute führt eine Seilbahn bis fast vor die Haustür“. Und ich denke, genau das ist das Problem. Denn so haben die Leute, die nur mal eben für ein Foto zum Äscher kommen wollen erst Gelegenheit dazu. Ohne Seilbahn würde es das sicher nicht gehen, denn nur für ein Foto wären diesen Aufstieg sicher vielen nicht wert. Insofern sehe ich nicht unbedingt das gepostete Foto in der Schuld sondern eher die Seilbahn, die den „Halbschuhtouristen“ erst den Besuch ermöglich.

Und dieser Ort ist mit Sicherheit nicht der einzige, bei dem dies leider zutrifft. Nimmt man zum Beispiel die vielen Orten, die Tag für Tag von tausenden Krezfahrt-Urlauben überflutet werden und unter den Massen stöhnen. Das Problem ließe sich gut lenken, in dem das Anlegen der Kreuzfahrtschiffe limitiert oder ganz unterbunden wird. Aber diesen Schritt tut keiner. 

Fazit: Jeder muss auf sich selbst achten

Und was nehme ich jetzt aus all diesen Überlegungen mit? Vor allem das Eine, dass hier jeder Blogger und jeder Influenzer auf sich selbst achten muss. Jeder sollte sich hier an die eigene Nase fassen. Wenn wir alle vor dem posten prüfen, ob es wirklich Sinn macht, dann haben wir schon viel erreicht. Wenn jeder für sich mit gutem Beispiel voran geht, dann ist verantwortungsvolles Bloggen auf jeden möglich. Und die vielen Beitrag zur Blogparade zeigen, dass doch sehr viele über dieses Thema nachdenken. Und das ist eine gute Richtung.

Also weniger Geheimtipps, weniger Tipps von Insidern und Einheimischen und vor allem weniger „Mehr Schein als sein“. Lieber authentisch bleiben und die Leser zu eigenen Entdeckungstouren anregen. Und vor allem nur von Orten posten, die erreicht werden können, ohne das eigene und das Leben der Leser auf’s Spiel zu setzen, und ohne dass Natur sinnlos zerstört wird.

Wenn wir das alle zusammen anpacken, dann ist alles möglich …

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