Wanderungen

Vom Guckaisee rund um die Wasserkuppe

Ward ihr schon mal in der Rhön? Falls nicht, dann solltet Ihr das auf jeden Fall nachholen. Früher noch von der Grenze durchtrennt, gibt es heute grenzenloses Wandervergnügen – egal ob in Hessen, Thüringen oder Bayern. Denn diese drei Bundesländer teilen sich das Gebiet der Rhön. Mit 950m ist die Wasserkuppe die höchste Erhebung der Rhön. Hier wurde die Segelfliegerei ins Leben gerufen und auch heute noch erfreut sich die baumlose Kuppe einer großen Beliebtheit unter den Segelfliegern. Und deshalb geht es heute für uns vom Guckaisee im Tal bis hinauf zur Wasserkuppe und wieder zurück.

Ausgangspunkt für die Wanderung ist der Parkplatz Guckaisee, den man von Schachen, Poppenhausen oder Abtsroda aus erreicht. Der Guckaisee ist der einzige natürlich entstandene See in der Rhön. An seinem Ufer lädt eine Liegewiese zum Verweilen ein. Wir wandern jedoch rechts an den beiden Teilen des Sees vorbei und nachdem wir die Lütte überquert haben, geht es immer weiter nach oben – hinauf zur Wasserkuppe.

Es geht bergauf

Auf dem Weg nach oben kann man dabei immer wieder die wundervolle Aussicht genießen, was die Wanderung ziemlich abwechslungsreich macht und zu kleinen Pausen einlädt. So kann der Blick umherschweifen zum Beispiel zur Milseburg und zum Heidelstein. Beides ebenfalls wundervolle Wandergebiete, über die ich bestimmt zu einem späteren Zeitpunkt noch berichten werde.

Und so geht es immer weiter vom Guckaisee bergauf, bis wir den Gipfel der Wasserkuppe erreichen. Hessens höchster Berg erwartet uns viel Geschichte – von den ersten Segelflügen ab 1911 über die Nazi-Zeit, den Umbau der Segelflugschule zur Kaserne bis hin zu den Abhörtätigkeiten im Kalten Krieg.

Die alte Abhörstation

Das markanteste Gebäude dort oben ist dadurch mit Sicherheit die alte Abhörstation – ein Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges. Mit seinen 34 Metern Höhe ist sie sehr imposant und die erste Station dort ging 1962 in Betrieb. Hier arbeitete rund ein Dutzend Soldaten im 24-Stunden-Dienst. Radarwellen waren die Waffe gegen den Feind. Der Luftraum der gesamten DDR, halb Polens und Frankreichs sowie der Alpen konnte mit dem Radargerät überwacht werden. Rund 1500 Flugzeuge hatten die Abhörspezialisten als kleine Lichtpunkte zeitgleich auf dem Bildschirm und werteten die Daten in dem auch „Radom“ genannten Gebäude aus.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Hessens höchster Berg ein „Horchposten“. Es gab sogar Zeiten, in denen fünf Radoms auf dem Gipfel zu finden waren. Ausschlaggebend was, dass die Wasserkuppe ist die höchste Erhebung in der Region ist, zudem war die innerdeutsche Grenze nur fünf Kilometer entfernt.

Das Kasernen-Areal war früher übrigens mit hohen Zäunen und Stacheldraht gegen unliebsame Besucher gesichert. Reste davon lassen sich immer noch bestaunen und sind ein interessantes Fotomotiv. Inzwischen gibt es aber regelmäßig Führungen durch die alte Abhörstation, für alle, die sich für dieses Thema interessieren.

Zudem dient das Radom heute als Veranstaltungsort und steht zum Beispiel regelmäßig für Konzerte, aber auch für Hochzeiten, Parties und noch mehr zur Verfügung. Ich habe mir sagen lassen, die Akustik sei fantastisch.

Alle, die sich hierfür näher interessieren, kann ich auf die Webseite des Random Wasserkuppe verweisen

Die Segelflug-Schule und das Segelflug-Museum

Weltweit bekannt ist die Wasserkuppe natürlich für seine Segelflug-Schule und das Segelflug-Museum. Denn der Segelflug hat hier Tradition.

Bereits seit wird der Berggipfel als Fluggelände genutzt. Alles begann, als Darmstädter Schüler Versuche mit selbst gebauten Gleitern durchführten. 1922 gründete Arthur Martens die Martens Fliegerschule. In dieser Zeit fanden alle fliegerischen Aktivitäten in der Nähe des Gipfels der Wasserkuppe statt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten übernahm dann die deutsche Luftwaffe die Fliegerschule und errichtet erste größere Gebäude für die Unterbringung und Ausbildung der Flugschüler. Es wurde aber keine befestigte Start-Landebahn errichtet. Diese wurde erst nach Ende des Krieges in dern Jahren 1958/59 erbaut.

Im Jahr 2012 entstand ein neues Flugplatzgebäude mit Schulungsräumen und Büros für die Fliegerschule, Hangars für die Motorflugzeuge und einem neuen Turm. Für Besucher bietet es eine Aussichtsplattform und ein Bistro.

Wer sich eingehender mit dem Thema Segelfliegen auseinander setzen möchte, dem empfehle ich die Seite des  Deutschen Segelflug-Museums

Am Fliegerdenkmal

Nachdem wir uns mit Wissen vollgestopft haben, eventuell einen kleinen Zwischenstopp an der Sommerrodelbahn eingelegt und in einem der vielen Möglichkeiten eingekehrt und uns gestärkt haben, machen wir uns auf den Rückweg zum Guckaisee.

Dieser führt uns zuerst am Fliegerdenkmal vorbei. Dieses steht am Westhang der Wasserkuppe oberhalb von Abtsroda  Es wurde errichtet auf einem Vulkanschlot, der früher Lerchenhügel, später „Loessl Steine“ genannt wurde . Carl Oskar Ursinus hatte diesen Ort für eine jährliche Gedenkfeier bestimmt, da während des ersten Rhönwettbewerbs Eugen von Loessl am 9. August 1920 von hier zu seinem letzten Flug gestartet war. Am 14. August 1921 starb an dieser Stelle auch Wilhelm Leusch, der zweite Tote des Segelflugs, durch Flächenbruch aufgrund einer Fehlkonstruktion seines Segelflugzeuges.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges waren verschiedene kameradschaftliche Vereinigungen entstanden, die sich später im Ring der Flieger e. V. vereinigten. Vermutlich 1922 entstand die Idee einer Deutschen Flieger-Gedenkstätte. Die Adler-Skulptur auf dem Denkmal schuf der Bildhauer und Tierplastiker Prof. August Gaul.

Die ovale Bronzetafel auf der Vorderseite trägt den von Oberleutnant Ottfried Fuchs verfassten Text: „WIR  TOTEN FLIEGER BLIEBEN SIEGER DURCH UNS ALLEIN. VOLK FLIEG DU  WIEDER UND DU WIRST SIEGER DURCH DICH ALLEIN.“

Über den Pferdskopf zurück

Über den imposanten Pferdskopt, ein 875 m hoher Südwestausläufer der Wasserkuppe mit einer herrlichen Aussicht, schlängeln wir uns immer weiter nach unten, bis wir wieder zum Guckaisee kommen. Auch dort bietet sich noch einmal eine letzte Möglichkeit zum verschnaufen und einkehren, bevor unsere Wanderung beendet ist.

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