Sommerwiese bei Laichingen
Wanderungen

Geschichte erleben rund um Laichingen

Wisst Ihr was das Gute an Corona ist? Man ist fast „gezwungen“, seine eigene Heimat zu erforschen. Vor mehr als 13 Jahren hat es mich auf die Schwäbische Alb verschlagen, aber es gibt noch so viele unentdeckte Sehenswürdigkeiten und Wanderwege. Und so habe ich vor ein paar Tagen eine tolle Wanderung rund um Laichingen entdeckt, die für Geschichtsbegeisterte jede Menge Entdeckungen bereit hält. Von der Eiszeit bis zum zweiten Weltkrieg ist für jeden etwas dabei.

Ausgangspunkt der Wanderung ist der Parkplatz am Schützenhaus Laichingen. Dort findet sich auch eine Tafel, auf der die Wanderung vorgestellt wird. Allerdings fand ich diese besonders auf dem ersten Teil des Weges etwas verwirrend. Die Relationen stimmen nicht und die ersten beiden Sehenswürdigkeiten Schlössle und Brünnle sind völlig falsch eingetragen und anhand dieser Karte definitiv nicht zu finden.

Das Schlössle

Vom Schützenhaus geht der asphaltierte Weg Richtung Hohenstadt. An der ersten Weggabelung solltet Ihr Euch rechts halten. Hier geht es in leichter Steigung durch den Wald bergan. An der Kreuzung am Hochsitz wählt Ihr den Weg scharf links. Hier geht es an einer kleinen Lichtung vorbei weiter geradeaus durch den Wald. Nach ca 300 Meter seht Ihr dann links schon das Schlössle, das die Überreste einer alten Burg sein soll.

In der Ortsbeschreibung des Oberamtes Münsingen wurde 1825 erwähnt, dass in der Gegend zwischen Laichingen und Hohenstadt ein Helfensteinisches Schloss gestanden haben soll. Wo es sich genau stand ist leider nicht überliefert. Es wird lediglich vermutet, dass dieser Steinhaufen die Rest des Schlosses sein sollen. Ein etwas mystischer Ort ist es trotzdem

Das Schlössle bei Laichingen
Das Schlössle bei Laichingen

Das Brünnle

Auf dem Hauptweg kommend befindet sich links das Schlössle. Genau gegenüber auf der rechten Seite des Weges findet sich ein unscheinbarer Pfad, den man kaum wahrnimmt. Es lohnt sich aber, diesen entlang zu gehen, denn er führt zum Brünnle.

Dieser Brunnen gehört zu dem früheren Ort Weidenstetten. Dieser wurde im Jahr 861 in einem Stiftungsbrief des Klosters Wiesensteig zum ersten Mal erwähnt. Vermutlich wurde der Ort im Dreißigjährigen Krieg zerstört und infolgedessen verlassen. Es kann aber auch durchaus sein, dass Weidenstetten bereits früher aufgegeben wurde. Geblieben ist dieser alte Brunnen, verborgen im Wald.

Das Brünnle bei Laichingen
Das Brünnle bei Laichingen

Flugzeugabsturz bei Laichingen

Nachdem Ihr den Pfad wieder zurück gelaufen seid, habt Ihr zwei Möglichkeiten. Entweder geht Ihr direkt am Schlössle vorbei den Weg nach unten. Dann müsst Ihr Euch unten auf dem Hauptweg links halten. Oder Ihr folgt meiner Route, lauft ein kleines Stück zurück und nehmt dann erst den Weg nach unten. dann müsst Ihr Euch am Hauptweg unten recht halten und kommt nach einer Weile an einem Gedenkstein vorbei. Hier wird einem Flugzeugabsturz im Zweiten Weltkrieg gedacht.

In der Nacht des 16. März 1945 wurde hier ein britischer Lancaster Bomber auf dem Rückweg von der Bombardierung Nürnbergs von einem deutschen Nachtjäger abgeschossen. 6 der 7 Menschen an Bord starben. Sie liegen heute auf dem Militärfriedhof in Dürnbach bei Gmund am Tegernsee begraben. Ein 19-jähriger Bordschütze überlebte, geriet in Gefangenschaft und kehrte nach dem Krieg nach Kanada zurück. Ich mag den Spruch „Sie kamen von weit her und fielen bei uns aus dem Himmel Himmel“ irgendwie schön. Ein guter Ort kurz inne zu halten und dankbar zu sein, dass wir in Frieden leben dürfen.

Erinnerung an Absturzstelle im Zweiten Weltkrieg bei Laichingen
Erinnerung an Absturzstelle im Zweiten Weltkrieg bei Laichingen

Der Kuttel-Apel-Stein

Kurz nach dem Gedenkstein haltet Ihr Euch links, über eine typische Albfläche geht es jetzt bergauf. Auf etwa halben Weg der Steigung wird links auf einen weiteren sehenswerten Abstecher hingewiesen, den Kuttel Apel Stein (auf schwäbisch Kuddlaabblastoi).

Der „Stein“ ist ein Fels mit Erosionsspuren am Rande eines Trockentals. Über das Entstehen der vielen dort zu findenden Felstrümmer ist leider nichts bekannt.

Seinen Namen bekam der Stein der Überlieferung nach von Appolonia Barth, einer Laichinger Bürgerin, die auch Kuddla Abbla genannt wurde, die während der Heuernte von einem Gewitter überrascht wurde und unter dem Stein Unterschlupf fand.

Der Kuttel Apel Stein
Der Kuttel Apel Stein

Die Keltengräber bei Laichingen

Wieder zurück auf dem Weg geht es weiter bergauf, wir überqueren die Straße nach Hohenstadt und gehen dann noch ein Stück weiter bergauf. Die beiden Keltengräber sind heute nur noch schwer zu entdecken. Den meisten würden die beiden kleinen Hügel gar nicht auffallen. Aber dank dem Schild kann man sie trotzdem gut finden. Die beiden flachen Grabhügel stammen übrigens aus dem 7. oder 6. Jahrhundert vor Christus, aus der Zeit der Hallstattkultur.

Die Keltengräber bei Laichingen
Die Keltengräber bei Laichingen

Die keltische Viereckschanze

Nun folgen wir der Ausschilderung des historischen Wanderswegs, zu erkennen an dem H. Es geht eine kleine Anhöhe hinauf. Doch dies ist keine normale Anhöhe,Ihr befindet Euch jetzt auf einer keltischen Viereckschanze aus dem 2 bis 1 Jahrhundert vor Christus, der Latenekultur.

Die Viereckschanze war keine Befestigung wie der Limes, sondern nur eine einfach Wallanlage. Zudem diente Sie als Wallfahrtsort für Versammlungen und Opfergaben. Das Tor der Schanze war hier Richtung Süden und lässt sich noch gut erkennen.

Die Keltische Viereckschanze bei Laichingen
Die Keltische Viereckschanze bei Laichingen

Die alte Römerstraße

Nun wandern wir weiter, immer der Ausschilderung „H“ folgend. Ein weiteres historisches Detail kreuzen wir nur – die alte Römerstraße.

Hier handelt es sich um eine römische Heerstraße aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. Diese führte von Münsingen über Zainingen – Feldstetten -Westerheim – Laichingen und Nellingen bis zum römischen Kastell „Ad Lunam“ in Urspring.

Der Kappenwinkel mit Blick auf Laichingen

Für uns geht es weiter und nun treten wir den Rückweg an. Diese ist sehr gut ausgeschildert. Einfach immer dem H folgen.

Letzte Station unserer Wanderung ist der Kappenwinkel. Ein toller Aussichtsort in einer absolut Alb-typischen Vegetation. Zudem hat man einen tollen Blick auf Laichingen

Aussichtspunkt Kappenwinkel bei Laichingen
Aussichtspunkt Kappenwinkel bei Laichingen

Nun geht es nur noch bergab durch den Wald, bis wir nach einem kurze Marsch wieder den Parkplatz und das Auto erreichen.

Wer mag kann natürlich auch direkt in Laichingen mit der Wanderung starten. Oder Ihr nutzt den Wandererparkplatz der etwas weiter Richtung Laichingen liegt.

Auf jeden Fall ist es eine erlebnisreiche Wanderung, auf der es viel zu entdecken gibt.

 

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