Blick in die Rhön
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Auf den Spuren des Rhönpaulus

Ihr fragt Euch jetzt sicher, der Rhön-was? Ja, der Rhönpaulus ist leider nicht allzu weit bekannt, was ich eigentlich schade finde, denn er war der Robin Hood der Rhön. Er war nicht nur ein Dieb, sondern er hat auch viel Gutes getan haben. Viele Geschichten ranken sich um ihn.

Und heute nehme ich Euch mit auf seinen Spuren, vom Hungerturm im Schloss von Kaltennordheim, bis zum Wanderweg im Ibengarten hinauf zu seiner Höhle. Ein wunderschöner Spaziergang mit vielen Informationen und Aktivitäten und somit auch sehr gut für Kinder geeignet. Kleiner Spoiler – es gibt einen Schatz zu entdecken.

Schatzsuche

Die Geschichte des Rhönpaulus

Leider ist über die Geschichte des Rhönpaulus nicht viel bekannt. Geboren wurde er 1736 als Johann Heinrich Valentin Paul in der Gemarkung Kohlbach zwischen Roßdorf und Friedelshausen in der Rhön. Wie mir der ehemalige Pfarrer von Friedelshausen erzählte, findet sich dort in den alten Kirchenbüchern auch der Eintrag zu seiner Taufe, die in aller Stille stattfand, den er war vermutlich ein unehelich geborenes Kind. Auch seine Mutter starb sehr früh, so dass er bereits als Kind auf sich allein gestellt war.

Nachdem ihm die Ehe mit einer jungen Frau aus Glattbach untersagt wurde, lies er sich als Soldat für den Siebenjährigen Krieg (1756-63) anwerben. Dort wurde er verwundet und desertierte daraufhin, um nach Glattbach zurück zu kehren.

Rhönpaulus

Um nicht entdeckt und verhaftet zu werden, wählte er die heute als Rhönpaulus-Höhle gekannte Klufthöhle am Neuberg als Unterschlupf, die Ihr über die Wanderung durch den Ibengarten erreichen könnt. Zum Überleben begann er mit dem Schmuggel – unter anderem von Salz – Diebstählen und Wilddieberei. Bei den Diebstählen konzentrierte er sich vornehmlich auf wohlhabende Bauern und gab einen Teil seines Diebesgutes an arme Leute ab. So ist es nicht verwunderlich, dass sich viele Geschichten und Erzählungen um den Rhönpaulus ranken. Welche davon auf wahren Begebenheiten beruhen, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Ich kann mich aber noch gut an das Buch erinnern, welches 1962 veröffentlicht wurde, und das wir verschlungen haben. Leider ist dieses nur noch selten erhältlich. So geht diese tolle Geschichte langsam verloren.

Und auch die Geschichte des Rhönpaulus ging dem Ende zu. Nachdem ihm beim ersten Mal die Flucht aus der Gefangenschaft gelungen war, wurde er 1779 erneut gefangen genommen und in den Hungerturm im Schloss von Kaltennordheim gebracht. Dort wurde er 1780 in einem Geheimprozess unter anderem wegen Wilddieberei uns Rebellion zum Tode verurteilt. Um ihm eine erneute Flucht zu verwehren, wurde er in einem Kasten zum Galgen transportiert.

Ironie des Schicksals – der Galgenberg befand sind ebenfalls in der Nähe von Glattbach bzw. Wiesenthal. So starb der Rhönpaulus sozusagen in nächster Nähe zu seiner Höhle durch den Strang.

Ibengarten

Der Hungerturm im Schloss Kaltennordheim

Vom Heiratsmarkt in Kaltennordheim hatte ich Euch ja schon berichtet. Im dortigen Schloss findet sich der Hungerturm, in dem der Rhönpaulus von 1779 bis zu seiner Hinrichtung 1780 gefangen gehalten wurde.

Das Schloss wurde 1754 auf den Resten der in Dreißigjährigen Krieg zerstörten Merlinsburg erbaut. Es war ein schlichter Amtssitz, der nur selten als Gefängnis genutzt wurde. Später entstand ein Restaurant und Hotel. Im gleichen Jahr, in dem der Rhönpaulus hier zum Tode verurteilt wurde residierte unter anderem auch Goethe im Schloss und schrieb die Ode an die Phantasie.

Heute befindet sich neben einer Gaststätte, in dem Ihr Euch gut stären und erholen könnt, das Heimatmuseum im Schlossbau. Hier kann man viel über die Geschichte des Ortes und der Gegend erfahren und natürlich auch über den Rhönpaulus.

Schloss Kaltennordheim

Der Eichenkasten des Rhönpaulus

Um nicht wieder entkommen zu können, wurde der Rhönpaulus in einem Eichenkasten zum Galgen transportiert. Das angebliche Original könnt Ihr heute noch im Museum in Dermbach entdecken.

Für alle, die keine Lust auf einen Museumsbesuch haben, gibt es eine Nachbildung des Kastens in Glattbach zu entdecken. Er steht direkt in der Ortsmitte direkt neben einer Holzdarstellung des Rhönpaulus. Eigentlich könnt Ihr es gar nicht verpassen.

Wenn Ihr den Weg weiterfahrt, kommt Ihr auch direkt zu einem der Parkplätze am Ibengarten, der der Ausgangspunkt für unsere Wanderung war. In der Nähe von Wiesenthal findet Ihr einen weiteren Parkplatz, den Ihr nutzen könnt.

Rhönpaulus und Kiste

Der Ibengarten

Der Ibengarten hat seinen Namen von den vielen Eiben, die Ihr hier finden könnt. Er befindet sich am Nordwesthang des Neubergs und Ihr könnt hier mehr als 350 Eiben finden. Einige von Ihnen sind schon über 500 Jahre alt. Ihr könnt hier also unter den gleichen Bäumen rasten, wie einst der Rhönpaulus.

Und wer weiß, was diese Bäume noch alles gesehen haben.

Die Eiben sind auch der Grund, warum dieser Wanderweg auch im Sommer bei heißem Wetter sehr gut zu laufen ist. Die Bäume bieten auf der gesamten Strecke Schatten und machen es selbst bei Hitze angenehm kühl. Von mir gibt es hier eine echte Empfehlung für alle, die auch an warmen Tagen etwas unternehmen sollen.

Übrigens, der Ibengarten wurde bereits 1938 unter Naturschutz gestellt. Es ist somit das älteste Naturschutzgebiet im Biosphärenreservat Rhön. Einen Spaziergang hier solltet Ihr also auf jeden Fall genießen.

Eiben

Der Rhönpaulus-Weg – die Varianten

Um die Geschichte des Rhönpaulus weiter am Leben zu erhalten wurde 2015 der Rhönpaulus-Weg eröffnet. Ihr hab verschiedene Möglichkeiten, diesen zu erwandern. Die längste Variante beginnt Ihr in Dermbach. Von dort aus führt eine Rundwanderung, bis hinauf zur Höhle und wieder zurück nach Dermbach. Hier könnt Ihr sehr viel über die Geschichte erfahren. Insgesamt ist der Rundweg 7 Kilometer lang.

Eine etwas kürzere Variante könnt Ihr ab dem Parkplatz in der Nähe von Wiesenthal erwandern. Beide Routen führen zunächst eben aber von Bäumen ungeschützt und damit der Sonne ausgesetzt zunächst eben bis zum Neuberg und dann steigt Ihr hinauf zur Höhle.

Da wir an einem besonders heißen Tag unterwegs waren (und zudem noch mit Welpe Paule) haben wir den kürzesten Weg immer im Schatten der alten Eibenbäume gewählt.

Dieser beginnt in der Nähe von Glattbach und ist ca 2 Kilometer hin und zurück. Der Parkplatz ist zwar etwas schlecht aufgeschildert, aber Ihr solltet ihn trotzdem finden. Besonders kann ich Euch diese Wanderung für Familien mit kleinen Kindern zu empfehlen. Denn es gibt am Wegesrand immer wieder Stationen mit Informationen, Geschichten und man kann auch selbst aktiv werden und verschiedenes entdecken.

Marke am Rhönpaulus-Weg

Wandern auf dem Rhönpaulus-Weg

Doch zuerst müsst Ihr am Anfang des Weges den Wegzoll an den Rhönpaulus entrichten. Dort gibt es auch ein Gästebuch, in dem Ihr stöbern und Euch eintragen könnt. Und dann geht es den Berg hinaus. Doch habt keine Angst, durch die verschiedenen Stationen ist das ganze sehr abwechslungsreich und man hat immer wieder einen Grund stehen zu bleiben und zu verschnaufen. Ich fand das sehr schön. Zumal auf diese Weise auch keine quengelnden Kinder möglich sind. Das Warten auf die nächste Station macht den Aufstieg leichter und die Abstände sind optimal gewählt. Der Rhönpaulus weißt Euch dabei immer den Weg.

Zusätzlich finden sich seit Kurzem einige bemalte Steine mit tollen Sprüchen am Wegesrand. Und während man nach dem nächsten Stein sucht, geht der Aufstieg ganz von alleine. Da die Steine so toll sind, gibt es über sie demnächst einen separaten Post.

Und für die Kleinen gibt es noch etwas besonderes. Denn der Rhönpaulus hat in der Nähe seiner Höhle einen Schatz versteckt, den es anhand kleiner Tafeln zu entdecken gilt. Mehr wird dazu nicht verraten, denn ich will Euch ja nicht den Such-Spaß vermiesen.

Und dann beginnt der Abstieg. Für die kleine Strecke geht es leider auf dem gleichen Weg wieder zurück. Die beiden längeren Wanderungen führen Euch rund um den Neuberg wieder zu Eurem Ausgangsort zurück.

Rhönpaulus-Höhle

Fazit – eine schöne Wanderung, besonders für Familien geeignet

Zusammenfassend kann man sagen, dass diese Wanderung für einen Familienausflug geradezu geeignet und auch mit kleinen Kindern sehr gut machbar ist. Die Strecke lässt sich trotz Steigung auf Grund der Abwechslung wirklich leicht bewältigen. Wir waren richtig traurig, dass der Weg schon zu Ende war.

Wer länger unterwegs sein möchte, der kann das problemlos. Die Runde ab Wiesenthal lässt sich zum Beispiel auch entsprechend verschieben. Oder Ihr wandert von Dermbach aus und verbindet das Ganze noch mit einem kleinen Museumsbesuch.

Alles in allem hat der Rhönforum e.V und der Rhönklub Dermbach hier ganze Arbeit geleistet und einen tollen Wanderweg geschaffen. Eine absolute Empfehlung von meiner Seite.

Rast im Ibengarten

 

Raeubersprache

 

Kunst am Rhönpaulus-Weg

 

Auf den Spuren des Rhönpaulus

2 Comments

  • Regina

    Sehr schön beschrieben! Es wurden aktuell alte Gerichtsunterlagen in Leipzig gefunden, die die Hinrichtung bestätigen. Auch die Höhle ist keine Sage. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts hat ein Förster mehrere Funde gemacht. Die eigentliche Räuber-Höhle muss ein Hohlraum gewesen sein, der eingebrochen ist. Es ist davon auszugehen, dass es mehrere Verstecke z. B. am Berg Baier gab😊.

    • Kathleen

      Hallo liebe Regina,

      vielen Dank für die Zusätzlichen Informationen. Das mit den Unterlagen in Leipzig wusste ich bisher noch nicht. Es ist schön, dass hier immer noch neues entdeckt und bestätigt wird.

      Liebe Grüße in meine alte Heimat!

      Kathleen

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