
Der Rasende Roland – Mit Volldampf durch Rügen
Es gibt Reisen, die nicht nur ein Ziel haben, sondern selbst zum Erlebnis werden – und eine Fahrt mit dem Rasenden Roland gehört definitiv dazu. Schon beim Gedanken daran spürt man die Vorfreude: Ein historischer Dampflok-Zug, der langsam durch die sanfte, abwechslungsreiche Landschaft Rügens schnauft, vorbei an dichten Wäldern, idyllischen Dörfern und glitzernden Seen. Wer auf der Insel unterwegs ist, sollte dieses Abenteuer nicht verpassen, denn es verbindet Natur, Geschichte und Nostalgie auf eine Art, die man so schnell nicht vergisst.
Der Rasende Roland ist mehr als ein Transportmittel – er ist ein Stück lebendige Geschichte. Die schmalspurige Dampfeisenbahn bringt Reisende seit Jahrzehnten von Putbus über Binz und Sellin bis nach Göhren, vorbei an Sehenswürdigkeiten, Wäldern und kleinen Dörfern. Für mich war es an diesem Tag ein echtes Highlight, das ich bewusst genießen wollte: keinen hektischen Fußmarsch, keinen Stress mit Straßenkarten, nur ich, der Zug und die vorbeiziehende Landschaft.
Ein Stück lebendige Geschichte: Der Rasende Roland
Bevor man sich auf die Fahrt einlässt, lohnt es sich, ein wenig über den Rasenden Roland zu wissen. Die Schmalspurbahn fährt seit Anfang des 20. Jahrhunderts auf Rügen und ist damit eine der ältesten noch betriebenen Dampfeisenbahnen Deutschlands. Ursprünglich wurde die Bahn gebaut, um die Orte der Insel miteinander zu verbinden und den Transport von Gütern zu erleichtern. Schnell entwickelte sie sich jedoch auch zu einer Touristenattraktion, denn schon damals war die Strecke durch ihre abwechslungsreiche Landschaft ein Erlebnis für Fahrgäste.

Die Dampfloks, die den Rasenden Roland antreiben, sind liebevoll restauriert und zum Teil über 100 Jahre alt. Jede Fahrt ist daher nicht nur ein Transport, sondern eine kleine Zeitreise in die Epoche der Dampflokomotiven. Die Bahn fährt auf Schmalspur (nur 750 mm), was ihr den typischen, nostalgischen Charakter verleiht und erlaubt, durch enge Kurven und abwechslungsreiche Landschaften zu führen, die für normale Züge zu schwierig wären.

Die klassische Strecke beginnt in Putbus, führt über Binz, Sellin, Baabe bis nach Göhren, wobei der Abschnitt von Jagdschloss Granitz nach Sellin besonders beliebt ist. Auf dieser Route erlebt man die ganze Vielfalt Rügens: dichte Wälder, offene Felder, kleine Dörfer und die Nähe zur Ostsee. Jeder Bahnhof entlang der Strecke hat seinen eigenen Charme, und die Dampflok sorgt mit dem rhythmischen Zischen und Klopfen für ein authentisches Reisegefühl.

Auf den Spuren des Rasenden Roland: Die Abfahrt am Jagdschloss Granitz
Meine Fahrt begann am Jagdschloss Granitz, einem der markantesten Bauwerke Rügens. Schon beim Hinaufgehen zur Plattform, von der der Rasende Roland abfuhr, konnte ich die Vorfreude auf die Reise spüren. Die Dampfwolken der Lok, das leise Rattern der Räder auf den Schienen und der typische Kohleduft – das alles gehört zu diesem Erlebnis. Ich hatte das Gefühl, in eine andere Zeit einzutauchen, zurück in die Epoche, als Dampfloks das modernste Verkehrsmittel waren.
Kaum fuhr der Zug an, wurde ich von der Bewegung und dem gleichmäßigen Rhythmus der Lok gefesselt. Die Schienen führten uns zunächst durch den Granitzer Wald, ein dicht bewachsenes Areal mit alten Buchen, Kiefern und Eichen. Die Sonne schickte lange Strahlen durch das Blätterdach, und das Lichtspiel auf den Schienen war geradezu magisch. Ich lehnte mich aus dem Fenster, atmete die frische Waldluft ein und spürte die ruhige Kraft, die nur so eine historische Bahn vermitteln kann. Die Fahrt hier war nicht nur ein Transport – sie war ein sinnliches Erlebnis für Augen, Ohren und Nase.
Während der Zug durch die Kurven glitt, eröffnete sich ein Panorama, das jeden Fotomoment wert war. Kleine Seen spiegelten den blauen Himmel, das Wasser glitzerte, und ab und zu huschte ein Reh durch das Unterholz. Kinder winkten von Spazierwegen aus, einige mit staunenden Blicken, andere mit fröhlichem Rufen. Man merkt sofort: Der Rasende Roland ist für Einheimische wie für Touristen ein Symbol Rügens, ein Stück Identität und Nostalgie, das auf allen Generationen seine Wirkung entfaltet.

Vorbei an idyllischen Dörfern und Feldern
Kaum hatte der Zug den Wald verlassen, öffnete sich die Landschaft und gab den Blick auf kleine Dörfer, weite Felder und Pferdekoppeln frei. Hier wirkte Rügen wie aus einem Bilderbuch: Reetgedeckte Häuser, liebevoll gepflegte Gärten, Zäune mit blühenden Hecken und Kinder, die fröhlich am Straßenrand spielten. Jeder Ort wirkte wie eingefroren in einer friedlichen Zeit, in der das Leben noch langsamer und bewusster verlief.

Die Strecke führt in sanften Kurven weiter in Richtung Sellin, und auf jedem Abschnitt gibt es etwas zu entdecken. Ich genoss es, durch die offenen Fenster zu blicken, die frische Brise im Gesicht zu spüren und die Szenerie auf mich wirken zu lassen. Es ist erstaunlich, wie sehr sich Landschaft, Licht und Stimmung im Verlauf der Fahrt verändern. Mal gleitet der Zug an Feldern vorbei, dann wieder durch Waldabschnitte, über kleine Brücken, die wie aus einer Postkarte wirken. Ich ertappte mich dabei, dass ich die Zeit vergaß, die Landschaft auf mich wirken ließ und einfach nur den Moment genoss.

Besonders beeindruckend war der Wechsel von Wald zu Küste. Die Ostsee in weiter Ferne kündigte sich durch den Geruch von Salzwasser und den weiten Blick über Felder an. Es entsteht ein Gefühl von Freiheit, wenn der Horizont sich öffnet und man die Verbindung von Natur und Meer spürt – und dabei gemütlich in einem historischen Zug sitzt, der mit seinen Dampfwolken eine kleine Show für die Passagiere bietet.

Die Magie der kleinen Bahnhöfe
Unterwegs hält der Rasende Roland an mehreren charmanten, kleinen Bahnhöfen. Jeder hat seinen eigenen Charakter: altmodische Bahnsteige, nostalgische Wartehäuschen und Schilder, die fast von gestern zu stammen scheinen. Das Ein- und Aussteigen ist ein kleines Schauspiel, das Reisende aller Altersklassen verzaubert. Familien, Paare, Senioren und Einzelreisende steigen ein und aus, alle mit einem Lächeln auf den Lippen.

Diese Bahnhöfe sind nicht nur funktional, sie vermitteln auch ein Stück Lebensgefühl. Hier spürt man die Geschichte der Bahn, die Verbindung der Inselbewohner untereinander und den Respekt vor einem Verkehrsmittel, das über Generationen hinweg Menschen miteinander verbunden hat. Für mich war es spannend zu sehen, wie Einheimische wie selbstverständlich den Zug nutzen, während Touristen die Gelegenheit nutzen, Fotos zu machen, die Eindrücke zu genießen und in das Ambiente einzutauchen.

An jedem Halt bietet sich die Gelegenheit, kurz die Beine zu vertreten und die Umgebung zu erkunden. Ich stieg einmal aus, nur um den Duft der Blumen, das Lachen der Kinder und die sanfte Bewegung der Wipfel im Wind aufzunehmen. Diese kleinen Momente machen die Fahrt besonders – sie lassen einen die Insel aus einer anderen Perspektive erleben, jenseits der typischen Touristenpfade.

Die letzten Kilometer bis Sellin: Meer, Strand und Rügener Charme
Je näher wir Sellin kamen, desto deutlicher spürte man die Nähe zur Ostsee. Die Landschaft wurde offener, das Gras leuchtete saftig grün, und die ersten Strandabschnitte tauchten am Horizont auf. Sellin, mit seiner berühmten Seebrücke, begrüßte uns mit maritimem Flair, frischer Brise und dem Gefühl von Sommer und Urlaub. Es ist, als würde die Dampflok die Passagiere auf eine sanfte Landung in dieser charmanten Küstenstadt vorbereiten.

Beim Anblick der Seebrücke und des feinen Sandstrandes wurde mir bewusst, dass die Fahrt nicht nur ein Transportmittel, sondern ein Erlebnis war, das sich von Anfang bis Ende gezogen hatte. Die Mischung aus Natur, Nostalgie, historischen Eindrücken und dem lebendigen Treiben der kleinen Orte machte diese Zugreise zu einem unvergesslichen Highlight. Ich stieg aus, ließ mir die salzige Luft ins Gesicht wehen und fühlte mich erfrischt, als hätte die Insel selbst mich willkommen geheißen.

Warum eine Fahrt mit dem Rasenden Roland so besonders ist
Eine Fahrt mit dem Rasenden Roland ist weit mehr als nur eine Fahrt von Punkt A nach Punkt B. Es ist eine Reise in die Vergangenheit, eine Begegnung mit der Natur und ein Eintauchen in die rügensche Lebensart. Man erlebt Rügen aus einer Perspektive, die Straßenfahrzeuge niemals bieten könnten: in gemächlichem Tempo, mit dem authentischen Geräusch einer Dampflok, umgeben von unberührter Natur und historischen Kulissen.

Für mich war es genau diese Mischung aus Nostalgie, Naturerlebnis und der Freude am Detail, die den Rasenden Roland so besonders machte. Jeder Moment, jede Kurve und jeder Blick aus dem Fenster war wie ein kleines Abenteuer, das man bewusst genießen konnte. Dabei spielt es keine Rolle, ob man die Strecke bereits kennt oder zum ersten Mal auf Rügen ist – die Bahn vermittelt das Gefühl, ein Teil einer Geschichte zu sein, die über Generationen hinweg erzählt wird.

Fazit: Ein unvergessliches Erlebnis auf Schienen
Meine Fahrt mit dem Rasenden Roland von Jagdschloss Granitz nach Sellin war ein Highlight meiner Rügen-Reise. Sie vereinte alles, was eine besondere Reise ausmacht: atemberaubende Landschaften, historische Kulisse, gemütliches Reisen und das Eintauchen in eine andere Zeit. Die Mischung aus Wald, Feldern, Dörfern und Küste macht die Strecke zu einem abwechslungsreichen Erlebnis, bei dem man jede Minute genießen kann.

Wer Rügen besucht und ein Faible für Nostalgie, Geschichte und schöne Landschaften hat, sollte diese Fahrt nicht verpassen. Sie ist eine perfekte Gelegenheit, die Insel entspannt zu entdecken, die Natur zu erleben und gleichzeitig einen Einblick in das Leben vergangener Zeiten zu bekommen. Für mich bleibt der Rasende Roland ein Symbol der Insel: lebendig, charmant und voller Geschichten – eine Reise, die man nicht nur unternimmt, sondern die man erlebt und die noch lange in Erinnerung bleibt.

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