Die Gorch Fock, ein großes weißes Segelschiff mit drei hohen Masten, liegt in einem Hafen vor Anker. Das Schiff ist an einem Steinkai befestigt, seine Takelage und Taue sind sichtbar. Im Hintergrund sind Segelboote und Gebäude unter einem bewölkten Himmel zu sehen.

Die Gorch Fock I in Stralsund – Ein Schiff, das Geschichten erzählt

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Wenn Ihr Euch für Geschichte, Seefahrt und imposante Schiffe begeistern könnt, dann gehört ein Besuch auf der Gorch Fock I in Stralsund ganz oben auf Eure Reiseliste. Direkt im Hafen der wunderschönen Hansestadt Stralsund liegt dieser historische Dreimaster, der nicht nur beeindruckend aussieht, sondern auch jede Menge spannender Geschichten zu erzählen hat.

Die Gorch Fock I ist kein modernes Museumsschiff, das einfach nur da liegt – sie ist ein lebendiges Denkmal maritimer Vergangenheit und ein faszinierender Ort, an dem man buchstäblich in die Welt der Seefahrer eintauchen kann. Allein schon beim Anblick der mächtigen Masten und der eleganten Linien spürt man: Dieses Schiff hat einiges erlebt.

Ein Hauch von Fernweh – Die Geschichte der Gorch Fock I

Bevor Ihr das Schiff betretet, lohnt es sich, ein wenig über seine Vergangenheit zu erfahren – denn die Gorch Fock I ist nicht nur irgendein altes Segelschiff, sondern ein echtes Stück deutscher Marinegeschichte. Gebaut wurde sie im Jahr 1933 auf der Hamburger Werft Blohm & Voss. Sie war das Typschiff einer ganzen Serie von Segelschulschiffen – darunter übrigens auch das bekannte gleichnamige Schwesterschiff Gorch Fock II, das heute noch im Dienst der Deutschen Marine steht.

Eine Holztafel mit einem schwarz-goldenen Schild mit der Aufschrift: SCHIFF 495 BLOHM & VOSS HAMBURG 1933, die sich auf die historische Gorch Fock bezieht, angebracht an einer weißen Wand.

Die ursprüngliche Gorch Fock I diente als Schulschiff für Offiziersanwärter der Kriegsmarine und segelte bis 1939 auf Ausbildungsfahrten durch Nord- und Ostsee. Während des Zweiten Weltkriegs wurde sie teilweise als stationäres Schulungsschiff eingesetzt und gegen Kriegsende im Strelasund versenkt, um sie nicht den Alliierten zu überlassen.

Großes hölzernes Schiffsrad auf dem Deck eines Segelschiffs, das an die Gorch Fock erinnert, mit Masten, Takelage und Bänken in der Nähe. Im Hintergrund sind Boote und ein Jachthafen bei bewölktem Himmel zu sehen.

Doch das war noch lange nicht das Ende: 1947 wurde das Schiff gehoben, instand gesetzt und diente ab 1951 unter dem Namen “Tovarishch” als Schulschiff der sowjetischen Marine. Erst 1991 kehrte sie nach Deutschland zurück – und seit 2003 liegt sie als Museumsschiff im Hafen von Stralsund.

Ein dickes schwarzes Seil ist um zwei Metallpoller auf dem Deck der Gorch Fock gewickelt. Ein Poller hat einen roten Stern auf der Spitze. Das Seil und die Metalloberflächen weisen Gebrauchsspuren auf.

Erste Schritte an Bord – Der Moment, wenn Ihr das Deck betretet

Der erste Schritt an Deck ist ein ganz besonderer Moment. Wenn Ihr über die Gangway geht und das hölzerne Deck unter Euren Füßen spürt, überkommt Euch sofort das Gefühl, Teil dieser Geschichte zu werden. Die Gorch Fock I ist nicht modernisiert worden wie viele andere Museumsschiffe – sie wirkt authentisch, rau, maritim.

Eine Gangway mit der Aufschrift Gorch Fock I und einer schwarzen Schiffsabbildung führt auf das weiße Segelschiff Gorch Fock, wo Taue, Rettungsringe und Takelage auf dem Kopfsteinpflaster im Vordergrund zu sehen sind.

Der Wind weht durch die Takelage, die dicken Trossen liegen aufgeschlagen am Bug, und überall entdeckt Ihr Details, die Geschichten erzählen: der traditionelle Ruderkasten, die riesigen Winden, die klassischen Holzarbeiten an Deck. Besonders eindrucksvoll ist das offene Achterdeck mit seinem historischen Steuerstand – hier haben einst die Kadetten gestanden, um das Segelsetzen zu üben, den Kurs zu halten oder einfach nur die Weite des Meeres auf sich wirken zu lassen.

Die Masten und die Takelage der Gorch Fock erheben sich vor einem wolkenverhangenen Himmel, wobei zahlreiche Taue und Spieren sichtbar sind, die ein Netz von Leinen bilden, das sich nach oben erstreckt.
Wer gerne fotografiert, findet hier unzählige Motive: die Masten, die sich in den Himmel recken, das Wechselspiel aus Tauwerk und Seil, die glänzenden Messingbeschläge und das Spiel von Licht und Schatten auf dem Deck. Doch das eigentliche Highlight liegt unter Deck – denn hier erwartet Euch eine Reise durch den Alltag der Seeleute.

Nahaufnahme eines dicken Seils, das fest um einen polierten Holzpfosten auf dem Deck der Gorch Fock gewickelt ist, mit weiteren Seilen und verschwommenen Schiffsdetails im Hintergrund.

Unter Deck – Auf den Spuren der Kadetten

Sobald Ihr unter Deck geht, wird es plötzlich sehr still – und genau das macht diesen Teil des Besuchs so eindrucksvoll. Die Gänge sind eng, die Decken niedrig, die Atmosphäre fast klösterlich. Hier erfahrt Ihr, wie hart und diszipliniert das Leben an Bord gewesen sein muss.

Ein gemütliches, altes Arbeitszimmer mit einem dunklen Holzschreibtisch, einem offenen Buch, einem gepolsterten Stuhl und warmen Lampen. Bullaugenfenster mit gelben Vorhängen lassen viel Licht herein. Nautisches Dekor, gerahmte Fotos und ein Modell der Gorch Fock verleihen dem Raum Charme.

Die Ausstellung ist liebevoll und gleichzeitig sachlich gestaltet – mit Infotafeln, originalgetreu eingerichteten Schlafkojen, historischen Uniformen, Logbüchern und Navigationsgeräten. Besonders beeindruckend ist die Offiziersmesse, in der man sich beinahe in eine andere Zeit zurückversetzt fühlt: dunkles Holz, schwere Möbel, gedämpftes Licht – hier wurde gegessen, beraten, auch gefeiert.

Ein gemütlicher Raum mit einem Tisch, der mit einem weißen Tuch bedeckt ist, umgeben von Holzstühlen, einem dunkelgrünen Sofa, Wandlampen, einem Schiffsmodell der Gorch Fock, einem Schachbrett und nautischer Wandmalerei. Auf dem Tisch steht ein Blumengesteck.

Weiter hinten im Schiff gelangt Ihr zur Kombüse, in der die Mannschaft versorgt wurde, und zur Krankenstation, die eher einem Notquartier als einer medizinischen Einrichtung gleicht. Alles an Bord wirkt so, als wäre die Besatzung nur kurz von Deck gegangen – und gleich wieder zurück. Es ist dieses Gefühl, dass das Schiff lebt, das den Besuch so besonders macht. Und wer genau hinsieht, entdeckt viele kleine Hinweise auf den sowjetischen Teil der Geschichte – etwa russische Beschriftungen oder kleine Erinnerungsstücke aus der Tovarishch-Zeit.

Ein kleiner Raum mit Reihen von Holzstühlen steht vor einer Wand, die ein großes Schiffsmodell mit der Aufschrift Gorch Fock ziert, umgeben von internationalen Flaggen und Fenstern mit gelben Vorhängen.

Mitten im Hafen – Die Lage und das maritime Flair

Die Gorch Fock I liegt direkt am Hafen von Stralsund – und schon allein diese Lage macht den Besuch zu etwas Besonderem. Rund um das Schiff erstreckt sich das moderne Hafenquartier mit seinen Restaurants, Cafés und der Promenade, die zum Bummeln einlädt. Von hier habt Ihr auch einen tollen Blick auf die Altstadt von Stralsund*, die mit ihren historischen Giebelhäusern und Kirchen ein echtes Juwel ist.

Ein großes weißes Segelschiff, die Gorch Fock, mit drei hohen Masten liegt in einem Hafen vor Anker, die Takelage ist sichtbar und im Hintergrund sind kleine Boote zu sehen.

Gerade im Sommer herrscht hier ein reges Treiben: Ausflugsschiffe legen an, Möwen kreischen, Kinder schlecken Eis, und überall weht dieser unverkennbare Duft von Salz, Fischbrötchen und Seeluft. Die Kombination aus historischem Schiff und lebendigem Stadtbild ist einfach ideal – Ihr könnt Euren Besuch auf der Gorch Fock I wunderbar mit einem Stadtbummel oder einem Spaziergang am Wasser verbinden.

Blick vom Deck der Gorch Fock, der Takelage, Seile und Masten zeigt, mit einem Hafen, geparkten Autos und einem großen Backsteingebäude im Hintergrund unter einem bewölkten Himmel.

Besonders schön wird es am Abend, wenn die untergehende Sonne das Schiff in warmes Licht taucht und die Lichter der Stadt sich im Wasser spiegeln. Wer mag, kann sich dann auch gleich in eines der Restaurants am Hafen setzen und das maritime Flair bei einem Glas Wein oder frischem Fisch genießen.

Eine deutsche Flagge weht auf einem Bootsdeck mit einer hölzernen Oberfläche im Vordergrund; bunte Gebäude, Bäume und Menschen säumen das Ufer im Hintergrund unter einem wolkenverhangenen Himmel, der an Szenen von der historischen Gorch Fock erinnert.

Praktisches für Euren Besuch – Öffnungszeiten, Preise & Tipps

Damit Euer Besuch reibungslos abläuft, hier ein paar praktische Hinweise: Die Gorch Fock I ist in der Regel von Frühjahr bis Herbst täglich von 10:00 bis 17:00 Uhr für Besucher geöffnet. Im Winter (November bis März) könnt Ihr das Schiff an den Wochenenden von 11:00 bis 16:00 Uhr besuchen.

Eine Nahaufnahme des Bugs des großen weißen Segelschiffs Gorch Fock mit Tauen, die am Dock befestigt sind, einer deutschen Flagge am Heck und anderen Booten und Yachten im Hintergrund in einem Yachthafen.

Der Eintritt ist mit 4,50 Euro für Erwachsene absolut fair, Kinder und Jugendliche zahlen ermäßigt. Für Familien gibt es günstige Kombitickets. Ihr könnt das Schiff auf eigene Faust erkunden, was besonders für alle spannend ist, die gerne in Ruhe schauen und lesen. Es gibt aber auch Führungen – und die lohnen sich wirklich, wenn Ihr tiefer in die Geschichte eintauchen wollt. Bitte beachtet, aber dass die Führungen voraussichtlich erst ab 2026 wieder verfügbar sein werden und im Moment auch das Schiff nur von außen besichtigt werden kann, da die Innenräume renoviert werden.

Ein dickes, verwittertes Seil ist fest um einen hölzernen Sicherungsstift an Bord der Gorch Fock gewickelt, während im Hintergrund weitere Seile, Takelage und Teile des Decks zu sehen sind.

Achtung: Das Schiff ist nicht barrierefrei – die schmalen Treppen und engen Gänge machen es für mobil eingeschränkte Personen schwierig. Nehmt Euch ausreichend Zeit – mindestens eine Stunde, besser zwei. Fotografieren ist erlaubt– nur Stative sind in der Ausstellung nicht gern gesehen. Und vergesst nicht: Gutes Schuhwerk ist von Vorteil, das Deck kann bei Feuchtigkeit rutschig sein.

Eine Nahaufnahme des hölzernen Schiffsrads auf dem Deck, das an den klassischen Stil der Gorch Fock erinnert, mit Bänken auf beiden Seiten und Gebäuden im Hintergrund.

Das gewisse Etwas – Warum dieser Besuch im Gedächtnis bleibt

Was die Gorch Fock I von vielen anderen Museumsschiffen unterscheidet, ist ihre besondere Ausstrahlung. Sie ist nicht nur ein Exponat, sondern ein Ort mit Seele. Man spürt an jeder Planke, dass hier Menschen gearbeitet, gelernt, gelacht und vielleicht auch gelitten haben. Das Schiff ist ein Denkmal – aber kein verstaubtes. Es lebt durch die Geschichten, die es erzählt, und durch die Menschen, die es besuchen. Vielleicht liegt es an der Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart, aus imposanter Technik und menschlicher Nähe, dass man sich der Gorch Fock I so verbunden fühlt.

Ein großer weißer Anker liegt auf dem Deck der Gorch Fock neben aufgerollten Seilen und Beschlägen. Die Oberfläche des Decks ist verwittert und weist Anzeichen von Rost und Abnutzung auf.

Viele Besucher berichten, dass sie sich nach dem Besuch ganz anders mit dem Thema Seefahrt auseinandersetzen – nicht romantisiert, sondern respektvoll. Und gerade für Kinder ist es ein toller Ort zum Staunen und Lernen. Hier dürfen sie sich vorstellen, wie es wäre, als Matrose zu leben, bei Wind und Wetter an Deck zu stehen und auf die weite See hinauszuschauen. Ein Besuch auf der Gorch Fock I ist kein kurzer Museumsstopp – es ist ein kleines Abenteuer mitten in Stralsund.

Blick auf den Mast der Gorch Fock, der Taue, Takelage und eine Netzleiter zeigt, die sich vor einem wolkenverhangenen blauen Himmel nach oben streckt. Die Perspektive erzeugt ein auffälliges geometrisches Muster mit den Linien und Strukturen des Schiffs.

Fazit – Die Gorch Fock I ist mehr als nur ein Schiff

Wenn Ihr Stralsund besucht, führt eigentlich kein Weg an der Gorch Fock I vorbei – und das aus gutem Grund. Sie ist imposant, geschichtsträchtig, lehrreich und gleichzeitig einfach schön anzusehen. Ihr Besuch bietet eine tolle Kombination aus Wissensvermittlung und Erlebnis, aus Nostalgie und Gegenwart. Gerade wenn Ihr Euch für die deutsche oder europäische Seefahrtsgeschichte interessiert, ist dieses Schiff ein echter Schatz.

Ein großes weißes Segelschiff, die Gorch Fock, mit drei hohen Masten liegt in einem Hafen vor Anker. Am Heck des Schiffes weht eine deutsche Flagge, und im Hintergrund sind bei bewölktem Himmel mehrere Boote zu sehen.

Aber auch ohne Vorkenntnisse oder maritimes Vorwissen werdet Ihr begeistert sein – von der Atmosphäre, dem Detailreichtum und der tollen Lage. Es ist ein Erlebnis für Groß und Klein, für Geschichtsinteressierte genauso wie für alle, die einfach etwas Besonderes sehen wollen. Und am Ende werdet Ihr wahrscheinlich das gleiche Gefühl haben wie wir: ein wenig Fernweh, viel Respekt – und die stille Sehnsucht, irgendwann einmal selbst die Segel zu setzen.

Nahaufnahme eines verwitterten weißen Flaschenzugs mit dicken Seilen auf dem Deck der Gorch Fock, mit einer Metallstange und einem nautischen Diagramm im Hintergrund.

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