
Die Gorch Fock I in Stralsund – Ein Schiff, das Geschichten erzählt
Wenn Ihr Euch für Geschichte, Seefahrt und imposante Schiffe begeistern könnt, dann gehört ein Besuch auf der Gorch Fock I in Stralsund ganz oben auf Eure Reiseliste. Direkt im Hafen der wunderschönen Hansestadt Stralsund liegt dieser historische Dreimaster, der nicht nur beeindruckend aussieht, sondern auch jede Menge spannender Geschichten zu erzählen hat.
Die Gorch Fock I ist kein modernes Museumsschiff, das einfach nur da liegt – sie ist ein lebendiges Denkmal maritimer Vergangenheit und ein faszinierender Ort, an dem man buchstäblich in die Welt der Seefahrer eintauchen kann. Allein schon beim Anblick der mächtigen Masten und der eleganten Linien spürt man: Dieses Schiff hat einiges erlebt.
Ein Hauch von Fernweh – Die Geschichte der Gorch Fock I
Bevor Ihr das Schiff betretet, lohnt es sich, ein wenig über seine Vergangenheit zu erfahren – denn die Gorch Fock I ist nicht nur irgendein altes Segelschiff, sondern ein echtes Stück deutscher Marinegeschichte. Gebaut wurde sie im Jahr 1933 auf der Hamburger Werft Blohm & Voss. Sie war das Typschiff einer ganzen Serie von Segelschulschiffen – darunter übrigens auch das bekannte gleichnamige Schwesterschiff Gorch Fock II, das heute noch im Dienst der Deutschen Marine steht.

Die ursprüngliche Gorch Fock I diente als Schulschiff für Offiziersanwärter der Kriegsmarine und segelte bis 1939 auf Ausbildungsfahrten durch Nord- und Ostsee. Während des Zweiten Weltkriegs wurde sie teilweise als stationäres Schulungsschiff eingesetzt und gegen Kriegsende im Strelasund versenkt, um sie nicht den Alliierten zu überlassen.

Doch das war noch lange nicht das Ende: 1947 wurde das Schiff gehoben, instand gesetzt und diente ab 1951 unter dem Namen “Tovarishch” als Schulschiff der sowjetischen Marine. Erst 1991 kehrte sie nach Deutschland zurück – und seit 2003 liegt sie als Museumsschiff im Hafen von Stralsund.

Erste Schritte an Bord – Der Moment, wenn Ihr das Deck betretet
Der erste Schritt an Deck ist ein ganz besonderer Moment. Wenn Ihr über die Gangway geht und das hölzerne Deck unter Euren Füßen spürt, überkommt Euch sofort das Gefühl, Teil dieser Geschichte zu werden. Die Gorch Fock I ist nicht modernisiert worden wie viele andere Museumsschiffe – sie wirkt authentisch, rau, maritim.

Der Wind weht durch die Takelage, die dicken Trossen liegen aufgeschlagen am Bug, und überall entdeckt Ihr Details, die Geschichten erzählen: der traditionelle Ruderkasten, die riesigen Winden, die klassischen Holzarbeiten an Deck. Besonders eindrucksvoll ist das offene Achterdeck mit seinem historischen Steuerstand – hier haben einst die Kadetten gestanden, um das Segelsetzen zu üben, den Kurs zu halten oder einfach nur die Weite des Meeres auf sich wirken zu lassen.

Wer gerne fotografiert, findet hier unzählige Motive: die Masten, die sich in den Himmel recken, das Wechselspiel aus Tauwerk und Seil, die glänzenden Messingbeschläge und das Spiel von Licht und Schatten auf dem Deck. Doch das eigentliche Highlight liegt unter Deck – denn hier erwartet Euch eine Reise durch den Alltag der Seeleute.

Unter Deck – Auf den Spuren der Kadetten
Sobald Ihr unter Deck geht, wird es plötzlich sehr still – und genau das macht diesen Teil des Besuchs so eindrucksvoll. Die Gänge sind eng, die Decken niedrig, die Atmosphäre fast klösterlich. Hier erfahrt Ihr, wie hart und diszipliniert das Leben an Bord gewesen sein muss.

Die Ausstellung ist liebevoll und gleichzeitig sachlich gestaltet – mit Infotafeln, originalgetreu eingerichteten Schlafkojen, historischen Uniformen, Logbüchern und Navigationsgeräten. Besonders beeindruckend ist die Offiziersmesse, in der man sich beinahe in eine andere Zeit zurückversetzt fühlt: dunkles Holz, schwere Möbel, gedämpftes Licht – hier wurde gegessen, beraten, auch gefeiert.

Weiter hinten im Schiff gelangt Ihr zur Kombüse, in der die Mannschaft versorgt wurde, und zur Krankenstation, die eher einem Notquartier als einer medizinischen Einrichtung gleicht. Alles an Bord wirkt so, als wäre die Besatzung nur kurz von Deck gegangen – und gleich wieder zurück. Es ist dieses Gefühl, dass das Schiff lebt, das den Besuch so besonders macht. Und wer genau hinsieht, entdeckt viele kleine Hinweise auf den sowjetischen Teil der Geschichte – etwa russische Beschriftungen oder kleine Erinnerungsstücke aus der Tovarishch-Zeit.

Mitten im Hafen – Die Lage und das maritime Flair
Die Gorch Fock I liegt direkt am Hafen von Stralsund – und schon allein diese Lage macht den Besuch zu etwas Besonderem. Rund um das Schiff erstreckt sich das moderne Hafenquartier mit seinen Restaurants, Cafés und der Promenade, die zum Bummeln einlädt. Von hier habt Ihr auch einen tollen Blick auf die Altstadt von Stralsund*, die mit ihren historischen Giebelhäusern und Kirchen ein echtes Juwel ist.

Gerade im Sommer herrscht hier ein reges Treiben: Ausflugsschiffe legen an, Möwen kreischen, Kinder schlecken Eis, und überall weht dieser unverkennbare Duft von Salz, Fischbrötchen und Seeluft. Die Kombination aus historischem Schiff und lebendigem Stadtbild ist einfach ideal – Ihr könnt Euren Besuch auf der Gorch Fock I wunderbar mit einem Stadtbummel oder einem Spaziergang am Wasser verbinden.

Besonders schön wird es am Abend, wenn die untergehende Sonne das Schiff in warmes Licht taucht und die Lichter der Stadt sich im Wasser spiegeln. Wer mag, kann sich dann auch gleich in eines der Restaurants am Hafen setzen und das maritime Flair bei einem Glas Wein oder frischem Fisch genießen.

Praktisches für Euren Besuch – Öffnungszeiten, Preise & Tipps
Damit Euer Besuch reibungslos abläuft, hier ein paar praktische Hinweise: Die Gorch Fock I ist in der Regel von Frühjahr bis Herbst täglich von 10:00 bis 17:00 Uhr für Besucher geöffnet. Im Winter (November bis März) könnt Ihr das Schiff an den Wochenenden von 11:00 bis 16:00 Uhr besuchen.

Der Eintritt ist mit 4,50 Euro für Erwachsene absolut fair, Kinder und Jugendliche zahlen ermäßigt. Für Familien gibt es günstige Kombitickets. Ihr könnt das Schiff auf eigene Faust erkunden, was besonders für alle spannend ist, die gerne in Ruhe schauen und lesen. Es gibt aber auch Führungen – und die lohnen sich wirklich, wenn Ihr tiefer in die Geschichte eintauchen wollt. Bitte beachtet, aber dass die Führungen voraussichtlich erst ab 2026 wieder verfügbar sein werden und im Moment auch das Schiff nur von außen besichtigt werden kann, da die Innenräume renoviert werden.

Achtung: Das Schiff ist nicht barrierefrei – die schmalen Treppen und engen Gänge machen es für mobil eingeschränkte Personen schwierig. Nehmt Euch ausreichend Zeit – mindestens eine Stunde, besser zwei. Fotografieren ist erlaubt– nur Stative sind in der Ausstellung nicht gern gesehen. Und vergesst nicht: Gutes Schuhwerk ist von Vorteil, das Deck kann bei Feuchtigkeit rutschig sein.

Das gewisse Etwas – Warum dieser Besuch im Gedächtnis bleibt
Was die Gorch Fock I von vielen anderen Museumsschiffen unterscheidet, ist ihre besondere Ausstrahlung. Sie ist nicht nur ein Exponat, sondern ein Ort mit Seele. Man spürt an jeder Planke, dass hier Menschen gearbeitet, gelernt, gelacht und vielleicht auch gelitten haben. Das Schiff ist ein Denkmal – aber kein verstaubtes. Es lebt durch die Geschichten, die es erzählt, und durch die Menschen, die es besuchen. Vielleicht liegt es an der Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart, aus imposanter Technik und menschlicher Nähe, dass man sich der Gorch Fock I so verbunden fühlt.

Viele Besucher berichten, dass sie sich nach dem Besuch ganz anders mit dem Thema Seefahrt auseinandersetzen – nicht romantisiert, sondern respektvoll. Und gerade für Kinder ist es ein toller Ort zum Staunen und Lernen. Hier dürfen sie sich vorstellen, wie es wäre, als Matrose zu leben, bei Wind und Wetter an Deck zu stehen und auf die weite See hinauszuschauen. Ein Besuch auf der Gorch Fock I ist kein kurzer Museumsstopp – es ist ein kleines Abenteuer mitten in Stralsund.

Fazit – Die Gorch Fock I ist mehr als nur ein Schiff
Wenn Ihr Stralsund besucht, führt eigentlich kein Weg an der Gorch Fock I vorbei – und das aus gutem Grund. Sie ist imposant, geschichtsträchtig, lehrreich und gleichzeitig einfach schön anzusehen. Ihr Besuch bietet eine tolle Kombination aus Wissensvermittlung und Erlebnis, aus Nostalgie und Gegenwart. Gerade wenn Ihr Euch für die deutsche oder europäische Seefahrtsgeschichte interessiert, ist dieses Schiff ein echter Schatz.

Aber auch ohne Vorkenntnisse oder maritimes Vorwissen werdet Ihr begeistert sein – von der Atmosphäre, dem Detailreichtum und der tollen Lage. Es ist ein Erlebnis für Groß und Klein, für Geschichtsinteressierte genauso wie für alle, die einfach etwas Besonderes sehen wollen. Und am Ende werdet Ihr wahrscheinlich das gleiche Gefühl haben wie wir: ein wenig Fernweh, viel Respekt – und die stille Sehnsucht, irgendwann einmal selbst die Segel zu setzen.

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