Stellt euch vor, ihr fahrt durch das sanft hügelige Hinterland Istriens. Die Straßen winden sich vorbei an silbrig glänzenden Olivenhainen und dichten Eichenwäldern. Plötzlich, hinter einer Kurve, taucht er auf: Ein kegelförmiger Hügel, auf dessen Spitze sich mittelalterliche Häuser so dicht aneinanderschmiegen, als wollten sie gemeinsam den Himmel berühren. Willkommen in Motovun (italienisch: Montona).
Dieser Ort ist weit mehr als nur ein hübsches Fotomotiv. Er ist das Herz des istrischen Trüffellandes, ein Kraftort voller Mythen und die Heimat eines der charmantesten Filmfestivals Europas. In diesem Blogbeitrag erfahrt ihr alles, was ihr für eure Reise wissen müsst – von den 1.052 Stufen bis zum perfekten Glas Teran-Wein.

Wie komme ich nach Motovun?
Motovun liegt im Herzen Istriens auf einem Hügel 277 Meter über dem malerischen Mirna-Tal- etwa eine Stunde von Piran und etwa eine halbe Autostunde von Grožnjan entfernt. Auch Hum ist nur ein knappe Stunde von hier entfernt, man kann diese Orte somit perfekt zu einem Tagesausflug verbinden.

Die Ankunft – Parken am Berg
Bevor ihr den Ausblick genießen könnt, müsst ihr eine kleine logistische Hürde nehmen. Motovun ist eine verkehrsberuhigte Zone, was den Charme des Ortes bewahrt, aber für Autofahrer Planung erfordert.
Wenn ihr mit dem Auto anreist, habt ihr zwei Optionen:
- Der untere Parkplatz: Er liegt am Fuße des Hügels. Von hier aus könnt ihr entweder zu Fuß den steilen Weg nach oben antreten (gut für die Waden!) oder den Shuttlebus nutzen, der regelmäßig zwischen dem Parkplatz und dem Stadteingang pendelt.
- Der obere Parkplatz: Dieser ist meist für Hotelgäste oder Inhaber spezieller Genehmigungen reserviert. Es gibt jedoch einige kostenpflichtige Plätze entlang der Auffahrtsstraße. Achtet auf die blauen Markierungen.
- Falls Ihr mit dem Camper unterwegs seid solltet Ihr folgendes wissen. Am Fuß der Stadt befindet sich ein kleiner Campingplatz mit einer begrenzten Anzahl an Stellplätzen.

Extra-Tipp: Die längste Treppe Istriens
Ein Geheimtipp für Wanderfreunde: Wenn ihr es sportlich mögt, nehmt die längste Treppe Istriens. Mit ihren 1.052 Stufen führt sie euch direkt vom Tal hinauf in die Altstadt. Oben angekommen, habt ihr euch das erste Kaltgetränk mehr als verdient.

Die Geschichte: Wo Legenden und Venezianer spuken
Motovun steht auf den Fundamenten einer antiken Siedlung der Kelten und Illyrer. Doch das heutige Gesicht der Stadt wurde maßgeblich von der Republik Venedig geprägt, die hier vom 13. bis zum 18. Jahrhundert herrschte.

Die Legende von Veli Jože
Ihr werdet in den Souvenirläden oft auf die Figur eines Riesen stoßen. Das ist Veli Jože. Der Legende nach lebten in Istrien einst Riesen, die von den Menschen versklavt wurden. Jože war der Riese von Motovun. Er war so stark, dass er den Glockenturm der Stadt wie eine Rassel schütteln konnte, wenn er wütend war. Die Geschichte von Vladimir Nazor über den sanften Riesen, der nach Freiheit strebt, ist tief in der lokalen Identität verwurzelt. Manche sagen sogar, die positive Energie des Ortes rühre daher, dass sich unter Motovun drei „Drachenlinien“ (energetische Bahnen der Erde) kreuzen.

Sehenswertes in Motovun
Natürlich hat Motovun auch einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Nehmt euch einen halben Tag Zeit, um die Stadt wirklich zu „erlaufen“. Die Gassen sind steil und mit Kopfsteinpflaster (Istrische Platten) ausgelegt – bequemes Schuhwerk ist hier kein Luxus, sondern Pflicht.
- Die gemütliche Altstadt: Wie bei vielen der tollen Städte in Istrien ist es einfach nur toll durch die verwinkelte kleine Altstadt zu bummeln. Lasst Euch einfach treiben und entdeckt so tolle Plätz, die zum verweilen einladen
- Die historischen Stadtmauer: Etwas, das Ihr unbedingt machen solltet, ist ein Spaziergang auf der historischen Stadtmauer von Motovun. So kannst Du die Stadt ein Mal umrunden und die tollsten Aussichten genießen.
- Die historischen Stadttore: Eng verbunden mit der Stadtmauer sind die historischen Stadttore, die teils aus dem 14. Jahrhundert und teils aus dem 16. Jahrhundert stammen. Besonders eindrucksvoll ist das Tor „Toranj novih vrata“, das bis heute mit den Wappen bedeutender venezianischer Patrizierfamilien geschmückt ist.
- Trg Josef Ressel: Direkt hinter dem Toranj novih vrata findet Ihr den Trg. Josef Ressel. Gibt es nicht nur einige tolle Restaurants sondern auch die historische Stadtloggia aus dem 17. Jahrhundert. Einzigartig ist aber der tolle Fernblick über die hügelige Landschaft.
- Die Kirche Sv. Stjepan: Die „Stephanskirche“ wurde vom Architekten Andrea Palladio entworfen und wurde im 17. Jahrhundert erbaut. Besonders interessant ist übrigens der freistehende Glockenturm aus dem 13. Jahrhundert, direkt neben der Kirche. Diesen könnt Ihr besteigen und von oben eine hervorragende Aussicht über Motovun und die ganze Gegend genießen
- Trg Andrea Antico: Der Platz , der an die Kirche Sv. Stjepan grenzt, wurde nach nach dem in Motovun geborenen Komponisten Andrea Antico benannt. Neben der Stephanskirche mit Ihrem Glockenturm findet Ihr hier auch den Kommunalpalast und einen aus dem 15. Jahrhundert stammender Steinbrunnen.

Die Stadtmauer (Gradske zidine)
Das absolute Highlight eurer Reise. Der innere Mauerring aus dem 13. und 14. Jahrhundert umschließt den höchsten Teil der Stadt. Gegen eine kleine Gebühr könnt ihr die Mauer komplett umrunden.
- Warum ihr das tun solltet: Der 360-Grad-Blick ist atemberaubend. Im Norden blickt ihr auf das Mirna-Tal und bei klarer Sicht bis zu den Alpen. Im Süden und Westen erstrecken sich die Weinberge und der geheimnisvolle Wald von Motovun.
- Beste Zeit: Kommt zum Sonnenuntergang. Wenn das goldene Licht auf die roten Dächer fällt, versteht ihr, warum Motovun als einer der romantischsten Orte Kroatiens gilt.

Das Stadttor und der Kommunalpalast
Wenn ihr den Hauptplatz betretet, passiert ihr das Innere Stadttor. Achtet auf den Markuslöwen über dem Bogen – das Symbol der venezianischen Herrschaft. Direkt daneben befindet sich der Kommunalpalast, eines der bedeutendsten profanen Gebäude des Mittelalters in Istrien. Seine Fassade erzählt Geschichten von Kriegen, Handelsabkommen und dem Stolz der Bürger.

Die Kirche St. Stephan (Sv. Stjepan)
Die barocke Pfarrkirche dominiert den Hauptplatz (Trg Andrea Antico). Sie wurde vermutlich nach Entwürfen des berühmten Architekten Andrea Palladio errichtet.
- Der Glockenturm: Er steht frei neben der Kirche und wirkt fast wie ein Wehrturm. Ihr könnt ihn besteigen! Die Aussicht ist noch einmal ein Stück höher als von der Stadtmauer aus.

Die Stadtloggia
Gegenüber der Kirche findet ihr die offene Loggia aus dem 17. Jahrhundert. Früher wurden hier wichtige Bekanntmachungen verlesen und Urteile gesprochen. Heute ist sie ein wunderbarer Schattenplatz, um kurz innezuhalten.

Essen gehen in Motovun
Motovun ist definitiv die Hauptstadt des Trüffels. Diesen findet man hier an allen Ecken und in jeder Form. Und wenn Ihr die Stadt besucht solltet Ihr auf jeden Fall etwas mit Trüffel essen. Und wen verwundert es, in fast jedem Restaurant wirst Du mit Sicherheit 2-3 Gerichte damit finden.
Also schlendere einfach durch die Stadt und lasst Dich von einem der urigen Konoba verzaubern. Hier gibt es typische istrische Küche mit regionalen Zutaten und natürlich die typischen Trüffel-Gerichte der Stadt. Abschließen solltet Ihr das Essen übrigens mit einem ‚Biska‘ – einem Mistelschnaps, der hier gerne serviert wird.
Wir waren übrigens im Konoba Fakin eingekehrt und haben dort sehr gut gegessen.

Die Trüffel von Motovun
- Weißer Trüffel (Tuber Magnatum Pico): Die Saison für den edlen weißen Trüffel beginnt im September und dauert bis Januar. Sein intensiver Duft durchzieht dann die ganze Stadt.
- Schwarze Trüffel: Diese findet ihr fast das ganze Jahr über. Sie sind milder im Geschmack, aber ebenso köstlich.

Was ihr unbedingt probieren müsst:
- Fuži mit Trüffeln: Fuži sind traditionelle, handgerollte Teigwaren. In einer cremigen Sauce mit frisch gehobeltem Trüffel sind sie das Standardgericht der Region.
- Frittaja: Ein istrisches Omelett, das oft mit wildem Spargel oder eben Trüffeln serviert wird.
- Trüffel-Käse und Honig: Besucht einen der vielen kleinen Läden wie Zigante oder lokale Produzenten, um diese Delikatessen zu verkosten.
Der Wein: Teran und Malvazija
Motovun ist von Weinbergen umgeben. Probiert den Teran, einen rubinroten, charakterstarken Rotwein mit einer feinen Säurenote, der perfekt zu deftigen Fleischgerichten passt. Wer es spritzig mag, greift zum weißen Malvazija, dem Klassiker Istriens.

Veranstaltungen: Wenn die Stadt zum Kino wird
Wenn ihr eure Reise für Ende Juli plant, werdet ihr ein völlig anderes Motovun erleben. Seit 1999 findet hier das Motovun Film Festival statt.
Die Atmosphäre: Die Stadt verwandelt sich in ein riesiges Open-Air-Kino. Filme werden auf den Plätzen und an den Hauswänden gezeigt. Es herrscht eine entspannte „Indie-Vibe“-Stimmung, fernab vom Glamour der Berlinale oder Cannes. Man schläft im Zelt im Tal oder in privaten Zimmern und feiert bis zum Sonnenaufgang.

Übernachten in Motovun
Wir selbst haben Motovun als Tagesausflug von unserer Reise nach Portoroz aus besucht, daher kann ich keine Übernachtungs-Empfehlung aus erster Hand geben.
Große Hotels sucht man in dieser idyllischen alten Stadt allerdings vergebens. Stattdessen verzaubern wunderschöne kleine Appartements, Villen und Ferienhäuser. So kann man den perfekten Urlaub erleben. Besonders gute Bewertungen haben die Villa Luna* , die Villa Fragola* und das Camino House Motovun*
Das richtige war noch nicht dabei? Dann schaut doch mal bei booking.com* vorbei. Dort findet jeder die perfekte Übernachtung.

Ausflugsziele in der Umgebung
Motovun ist der perfekte Ausgangspunkt, um das „Grüne Istrien“ zu erkunden:
- Grožnjan: Ein weiteres Bergstädtchen, das als „Stadt der Künstler“ bekannt ist. Fast jedes Haus beherbergt eine Galerie oder ein Atelier.
- Oprtalj: Etwas ruhiger als Motovun, aber architektonisch ebenso faszinierend und bekannt für seine bunten Häuserfassaden.
- Die Parenzana: Die ehemalige Schmalspurbahn ist heute ein beliebter Rad- und Wanderweg. Er führt durch Tunnel und über Viadukte quer durch die Landschaft. Ein Teilstück verläuft direkt unterhalb von Motovun.
- Hum: Die offizielle „kleinste Stadt der Welt“ liegt nur eine kurze Autofahrt entfernt.

Praktische Tipps für eure Reise
- Währung: Denkt daran, dass Kroatien den Euro eingeführt hat. In den meisten Restaurants könnt ihr mit Karte zahlen, aber für kleine Souvenirstände oder den Shuttlebus ist etwas Bargeld hilfreich.
- Unterkunft: Es gibt ein paar feine Boutique-Hotels direkt in der Altstadt (wie das Hotel Kaštel oder das Designhotel Roxanich am Fuße des Berges). Alternativ bieten viele Einheimische wunderschöne Ferienwohnungen an.
- Reisezeit: Frühling und Herbst sind ideal. Im Sommer kann es sehr heiß und voll werden, während im Oktober die Trüffelsaison für ein ganz besonderes, herbstliches Flair sorgt.

Eine sympathische Stadt, die man unbedingt besuchen sollte
Motovun ist auf jeden Fall immer eine reise wert. Ob nun als Tagesausflug oder für einen längeren Aufenthalt. Die Stadt hat einiges an Flair zu bieten, das den Aufenthalt hier ungeheuer angenehm macht.
Motovun ist ein Ort, der entschleunigt. Man kommt wegen der Aussicht, bleibt wegen des Essens und erinnert sich ewig an das Gefühl, über den Wolken (oder zumindest über dem istrischen Nebelmeer) zu thronen. Es ist kein Ziel für Massentourismus, sondern für Genießer und Entdecker.
Packt eure Kamera ein, bringt Hunger mit und lasst euch von der Magie des Riesen Veli Jože verzaubern. Ihr werdet es nicht bereuen!
- Hier gibt es alle meine Tipps rund um Istrien
- Und hier gibt es jede Menge Vorschläge für Eure nächste Reise an die Adria
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